Masterclass

Steve Smith MW und die Peabodys – wenn Fachwissen auf Familienkapital trifft

Schotterreben Der Gimblett-Gravels-Zone In Hawke'S Bay, Heimat Von Craggy Range

Ein Weingärtner mit Master-Titel

Es gibt Lebensläufe, die sich nicht in eine Schublade pressen lassen. Steve Smith ist so einer. Bevor er Craggy Range mitbegründete, war er Forschungs-Weingärtner für das neuseeländische Landwirtschaftsministerium und danach lange Jahre Chef-Viticulteur bei Villa Maria.
Er arbeitete von 1980 bis 1987 als Research Viticulturist beim Ministry of Agriculture und von 1987 bis 1998 als Group Viticulturist bei Villa Maria Estate.
Der eigentliche Bruch in seiner Karriere kam Mitte der Neunziger, als er sich für ein Ziel entschied, das damals kein Weingärtner zuvor erreicht hatte.

1995 begann Steve die Arbeit am Master of Wine, nachdem er entschieden hatte, dass die unternehmerische Seite des Weins sein Ding sei – ein Jahr später trug er das Kürzel MW im Namen und stellte fest, dass sich dadurch Türen öffneten.
Bemerkenswert ist dabei ein Detail, das in der Branche bis heute Gewicht hat:
Steve war der erste Weingärtner der Welt, der zum Master of Wine wurde.

Was der Titel tatsächlich bedeutet

Der Master of Wine wird gern als höchste fachliche Instanz im Wein gehandelt, und an dieser Einschätzung ist wenig übertrieben.
Es ist eine vom Institute of Masters of Wine in Großbritannien vergebene Qualifikation – kein akademischer Grad –, die in der Weinbranche allgemein als einer der höchsten Standards an Fachwissen gilt.
Die Hürde ist real:
Kandidaten müssen drei anspruchsvolle Teile bestehen – fünf Theoriepapiere, drei Blindverkostungspapiere und eine Forschungsarbeit von 6.000 bis 10.000 Wörtern.

Und die Zahlen erklären, warum der Titel so selten an einem Etikett auftaucht.
Stand 2025 gibt es 425 aktive Master of Wine in 30 Ländern, während seit 1953 insgesamt 521 Personen die Prüfung bestanden haben.
Anders gesagt: In über sieben Jahrzehnten haben weltweit weniger Menschen diese Prüfung geschafft, als manch ein Fußballstadion Sitzplätze hat. Smith gehört zudem zu einer noch kleineren Untergruppe –
er ist einer der wenigen qualifizierten Master of Wine, die in Neuseeland ansässig sind.

Die Symbiose: Fachwissen plus Kapital plus klare Vision

Craggy Range ist kein Solo-Projekt.
Gegründet 1997 von dem Australier Terry Peabody samt Familie und Steve Smith, Master of Wine, zählt das Weingut heute zu den Spitzenadressen Neuseelands mit Kunden rund um den Globus.
Peabody brachte das mit, was Smith nicht hatte – nämlich Substanz:
Terry Peabody, ein amerikanischer Ingenieur und Geschäftsmann, der Mitte der Sechziger nach Australien zog, hatte ein Vermögen mit einem Verfahren aufgebaut, das Flugasche aus Kohlekraftwerken als Bestandteil von Beton wiederverwendete.

Smith selbst hat das Reizvolle dieser Konstellation nie kleingeredet.
Er beschrieb die Gelegenheit, das neue Weinunternehmen zu führen, als etwas extrem Seltenes und Kostbares für jemanden wie ihn – es erlaubte ihm, sich mit Haut und Haaren ins Ganze zu stürzen, von den Weinbergen über den Wein und die Architektur bis zu Marke und Geschäft, und das nahtlos zu verbinden.
Der Ehrgeiz war von Anfang an groß formuliert:
Die Vision bestand darin, innerhalb einer Generation eines der großen Weingüter der Welt zu schaffen und die Weine in den großen Restaurants der Welt servieren zu lassen.

Was diese Partnerschaft so wirksam machte, war die Rollenverteilung. Die Peabodys gaben das Kapital und den familiären Langfristhorizont – das Gut steckt heute in einem Tausend-Jahre-Trust. Smith brachte das fachliche Urteil mit, das aus rohem Land konkrete Stilistik macht.
Er war verantwortlich für den Aufbau des Craggy-Range-Weinbergsgeschäfts von kahlem Land bis zur Entwicklung von Weinberg und Kellerei, für die Schaffung der Weinstile sowie die Marken- und Marktentwicklung.
Konkret heißt das auch:
Er war Gründungsvorsitzender der Gimblett Gravels Winegrowers Association und verantwortlich für die Entwicklung der Gimblett-Gravels-Appellation.
Wer die felsige, schottrige Gimblett-Gravels-Zone kennt, weiß, dass hier kein Marketingtitel ans Werk ging, sondern jemand mit Verständnis für Böden und Reben.

Sollten andere Güter dem folgen?

Die naheliegende Frage: Wenn die Kombination aus Fachkopf und Familienkapital so gut funktioniert – warum nicht überall? Die ehrliche Antwort ist, dass sich beide Seiten finden müssen. Smith und Peabody trafen sich eher zufällig,
denn 1997 traf Peabody auf einer Geschäftsreise nach Neuseeland auf Smith, alle Puzzleteile fügten sich zusammen, eine Partnerschaft entstand, das Hawke’s-Bay-Grundstück wurde erworben und Craggy Range wurde geboren.
Solche Konstellationen lassen sich nicht erzwingen.

Und doch zeigt der weitere Weg, dass das Modell tragfähig ist – auch über Craggy Range hinaus.
Nachdem er als Chef-Weingärtner bei Villa Maria gedient und sich mit dem Aufbau von Craggy Range einen Namen gemacht hatte, kaufte Smith 2017 das kleine, biodynamische Pyramid Valley, das er seither wiederbelebt und erweitert hat, weitgehend nach burgundischem Negociant-Modell.
Dass er dabei wieder mit einem Geldgeber zusammenarbeitet, ist kein Zufall, sondern bewusste Methode.

Meine Einschätzung: Der Master of Wine ist für mich die fachliche Instanz im Wein – nicht, weil ein Kürzel automatisch bessere Tropfen erzeugt, sondern weil dahinter ein geprüftes, breites Verständnis von Rebe, Keller, Markt und Stil steht. Bei Craggy Range sieht man, was passiert, wenn dieses Verständnis auf Geduld und Kapital trifft: Aus einem Stück Schotterland in Hawke’s Bay wurde innerhalb einer Generation eine internationale Adresse. Andere Güter müssen das nicht eins zu eins kopieren. Aber die Grundidee – Fachkompetenz und unternehmerische Substanz auf Augenhöhe zusammenzubringen, statt das eine dem anderen unterzuordnen – verdient Nachahmung. Genau das ist hier die Symbiose, von der sich lernen lässt.

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Häufige Fragen

Wer ist Steve Smith MW?

Steve Smith ist ein neuseeländischer Weingärtner und der erste Viticulteur weltweit, der den Titel Master of Wine erlangte. Er war Mitbegründer von Craggy Range und betreibt heute das biodynamische Weingut Pyramid Valley.

Was ist der Master of Wine?

Der Master of Wine ist eine vom Institute of Masters of Wine in Großbritannien vergebene Qualifikation, die als einer der höchsten Standards an Fachwissen in der Weinbranche gilt. Kandidaten müssen Theoriepapiere, Blindverkostungen und eine umfangreiche Forschungsarbeit bestehen.

Wie viele Master of Wine gibt es weltweit?

Stand 2025 gibt es rund 425 aktive Master of Wine in 30 Ländern. Seit der ersten Prüfung 1953 haben insgesamt nur etwa 521 Personen den Titel bestanden.

Wer hat Craggy Range gegründet?

Craggy Range wurde 1997 vom australischen Geschäftsmann Terry Peabody mit seiner Familie und Steve Smith MW gegründet. Das Weingut in Hawke's Bay zählt heute zu den Spitzenadressen Neuseelands.

Was sind die Gimblett Gravels?

Die Gimblett Gravels sind eine schottrige, felsige Weinbauzone in Hawke's Bay, Neuseeland. Steve Smith war Gründungsvorsitzender der Gimblett Gravels Winegrowers Association und maßgeblich an der Entwicklung dieser Appellation beteiligt.