Wein Italien

Marco Porello: Der stille Star aus dem Roero

Weinberge Im Roero Bei Canale Mit Sandig-Kalkigen Böden, Heimat Der Weine Von Marco Porello

Ein Name, den man sich merken sollte

Wer in Piemont denkt, denkt an Barolo und Barbaresco. Beide liegen am rechten Ufer des Tanaro, beide tragen große Namen, beide haben Preise, die längst nicht mehr für jeden Keller taugen. Doch auf der anderen Flussseite, am linken Ufer, beginnt eine Landschaft, die in derselben Liga spielt, ohne dieselbe Aufmerksamkeit zu bekommen: das Roero. Unbekannt, aber genial — auf kaum ein Weingut passt dieser Satz besser als auf Marco Porello in Canale.

Im englischsprachigen Raum wird Porello gern als aufgehender Stern bezeichnet. Treffender ist vielleicht das Bild des stillen Handwerkers. Tatsächlich beschreibt selbst der britische Handel die Familie als jemanden, der seit Jahren ruhig und beharrlich herausragende Weine aus den heimischen Rebsorten keltert. Marco Porello, mittlerweile in dritter Generation am Werk, hat das Familienweingut 1994 übernommen und ist ausgebildeter Önologe.

Drei Generationen, eine Idee

Die Geschichte beginnt nicht mit Wein, sondern mit Pfirsichen. In den 1930er Jahren machte Cesare Porello aus seinem kleinen Besitz einen richtigen Betrieb — damals war Canale für seine Pfirsiche bekannt, nicht für Arneis. Dass das Roero heute international für hervorragenden Arneis steht, ist auch ein Ergebnis dieser über Generationen unveränderten Haltung zur Qualität, die auf intensiver Arbeit im Weinberg und größter Detailgenauigkeit beruht.

Genau das ist der Kern: Für Porello entscheidet sich alles draußen, in den Parzellen. Er kennt jede Bodenformation, jedes Mikroklima, jede Exposition. Der berühmte Roero Arneis ‚Camestrì‘ stammt von gerade einmal vier Hektar — keine Mengenproduktion, sondern Konzentration auf wenige, gut verstandene Lagen.

Warum der Boden hier alles verändert

Das Roero verdankt seinen Charakter einer geologischen Vergangenheit unter Wasser. Über Millionen Jahre war die Gegend Teil eines binnenländischen Meeres, des Golfo Padano, das beim Rückzug abwechselnde Schichten aus Sand, Kalk und Ton hinterließ — durchsetzt mit Meeresfossilien. Dass man in den Weinbergen Fossilien aus dieser Zeit findet, ist hier keine Seltenheit, sondern Teil der Identität.

Diese Böden prägen den Stil. Weil sie sandig sind, fallen die Rotweine des Roero weniger tanninbetont und zugänglicher aus als jene jenseits des Flusses. Die sandigen, nährstoffarmen Böden bringen leichtere, duftigere Weine hervor als die schwereren Böden in Barolo und Barbaresco. Bei Porello kommt eine klimatische Besonderheit hinzu: Das Roero gilt als halbtrocken, fast wasserarm, während die Seealpen für deutliche Tag-Nacht-Temperaturunterschiede sorgen — warme Tage fördern Zucker, kühle Nächte bewahren Aromen und Säure.

Porellos Reben für Arneis und Nebbiolo liegen südlich von Canale, in der Gemeinde Vezza d’Alba, auf mineralreichen Böden. Die Barbera-Reben dagegen stehen rund um Canale auf südwestlich ausgerichteten Böden mit gutem Tongehalt, der für hervorragende Drainage sorgt. Drei Rebsorten, drei verschiedene Lagen — und in jedem Glas merkt man, warum diese Trennung Sinn ergibt.

Arneis: die wiederentdeckte Weiße

Arneis ist eine Geschichte für sich. Die Rebsorte war in den 1970er Jahren fast verschwunden; nur wenige Erzeuger machten überhaupt noch Wein daraus, bis Alfredo Currado von Vietti ab 1967 ihre Wiederbelebung betrieb. Der Name selbst verrät, womit die Winzer zu kämpfen hatten: „Arneis“ ist piemontesischer Dialekt und bedeutet sinngemäß „kleiner Schlingel“ — die Sorte galt als schwierig im Anbau. Traditionell pflanzte man Arneis sogar neben Nebbiolo, weil der stärkere Duft der Trauben Vögel und Insekten von den wertvolleren Nebbiolo-Reben ablenkte. Daher der alte Beiname „Nebbiolo bianco“.

Heute ist Arneis eines der angesehensten Weiße Piemonts. Der Roero Arneis ‚Camestrì' DOCG stammt aus der gleichnamigen Einzellage in Vezza d’Alba, deren kalkig-sandige Böden mit rund 30 Prozent Hangneigung und Süd-Ost-Ausrichtung dem Wein Eleganz und feine Aromatik geben. Ausgebaut wird er auf der Feinhefe im Edelstahltank, was Frische und Präzision bewahrt. Im Glas: strohgelb, eine intensiv florale und fruchtige Nase, am Gaumen weiße Frucht, Mineralität und eine kräftige, salzige Frische — ein Wein für Vorspeisen, Fisch, Pasta mit Gemüsesaucen und frische Käse.

Nebbiolo und Barbera: zwei rote Wege

Der Nebbiolo ist im Roero die nobelste Karte. Er zeigt sich hier in einer leichteren, aromatischeren Lesart als Barolo — und das zu einem deutlich attraktiveren Preis als beim großen Nachbarn. Die sandigen Böden geben den Roten eine elegante Struktur mit weichen Tanninen, die früh trinkbar machen, ohne das Reifepotenzial zu verspielen. Wer Nebbiolo verstehen will, ohne gleich Barolo-Preise zu zahlen, findet im Langhe DOC Nebbiolo einen idealen, unkomplizierten Einstieg.

Die Barbera schlägt einen anderen Ton an: saftiger, dunkelfruchtiger, mit der typisch lebendigen Säure der Sorte. Der Barbera d'Alba ‚Mommiano' profitiert von den tonhaltigeren Böden rund um Canale, die dem Wein mehr Fülle geben als die reinen Sandlagen. Drei Weine, die zusammen das ganze Roero erzählen — Frische, Eleganz, Substanz.

Warum sich das Suchen lohnt

Das Roero hat lange im Schatten gestanden, und das hat einen schlichten Grund: Es ist klein. Auf rund 1.158 Hektar entstehen jährlich etwa 6,6 Millionen Flaschen — weniger als die Hälfte der Menge des benachbarten Barolo. Genau diese Übersichtlichkeit ist die Chance für neugierige Trinker. Wer Marco Porello ins Glas bekommt, bekommt keinen Trend, sondern eine über drei Generationen geschliffene Handschrift: präzise, ehrlich und unverwechselbar im Ursprung. Unbekannt — aber, sobald die Flasche offen ist, ziemlich überzeugend.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Roero und Barolo?

Roero liegt am linken Ufer des Tanaro, Barolo am rechten. Durch die sandigeren Böden fallen Roero-Weine leichter, duftiger und weicher in den Tanninen aus und sind oft früher zugänglich sowie günstiger als Barolo.

Welche Rebsorte ist Arneis?

Arneis ist eine weiße piemontesische Rebsorte, die vor allem im Roero angebaut wird. Sie war in den 1970er Jahren fast verschwunden und wurde ab 1967 von Alfredo Currado wiederbelebt. Der Name bedeutet im Dialekt sinngemäß „kleiner Schlingel“.

Wozu passt Roero Arneis?

Roero Arneis mit seiner frischen, floral-fruchtigen Art und salziger Mineralität passt gut zu Vorspeisen, Fisch, Pasta mit Gemüsesaucen und frischen Käsesorten.

Warum wurde Arneis früher „Nebbiolo bianco“ genannt?

Arneis wurde traditionell neben Nebbiolo gepflanzt, weil der intensive Duft seiner Trauben Vögel und Insekten von den wertvolleren Nebbiolo-Reben ablenkte. Daraus entstand der Beiname „weißer Nebbiolo“.

Ist Roero-Nebbiolo eine gute Alternative zu Barolo?

Ja. Nebbiolo aus dem Roero zeigt sich aromatischer, eleganter und weicher in den Tanninen als Barolo und ist deutlich günstiger – ein idealer Einstieg, um die Rebsorte ohne Barolo-Preise kennenzulernen.