Regionaler Weinbau

Eine Winzertochter führt Franken: Barbara Becker an der Spitze des Weinbauverbands

Barbara Becker, Neu Gewählte Präsidentin Des Fränkischen Weinbauverbands, Im Fränkischen Weinberg

Ein Wechsel mit Symbolkraft

In Ochsenfurt hat der Fränkische Weinbauverband Anfang Juni ein neues Präsidium gewählt – und damit Geschichte geschrieben.
Mit Barbara Becker steht erstmals in der 190-jährigen Geschichte des Fränkischen Weinbauverbands eine Frau an der Spitze.
Geschäftsführer Hermann Schmitt ordnete den Schritt noch weiter ein:
Becker steht nun deutschlandweit als erste Frau an der Spitze eines Weinbauverbands, wie Geschäftsführer Hermann Schmitt nach der Wahl in Ochsenfurt sagte.

Sie übernimmt von einem langjährigen Amtsinhaber.
Becker folgt auf Artur Steinmann, der seit 2009 dem Verband vorstand und nun deren Ehrenpräsident ist.
Wie üblich ist die Amtszeit befristet:
Beckers Amtszeit dauert vier Jahre, danach wird bei einer Mitgliederversammlung neu gewählt.

Der Verband ist kein kleiner Interessenklub, sondern die Stimme einer ganzen Region.
Die Nebenerwerbswinzerin Barbara Becker führt als erste Frau den Fränkischen Weinbauverband. Die Organisation macht sich für die Interessen von etwa 3.400 Winzerinnen und Winzern stark.

Vom elterlichen Weinberg in den Landtag

Becker bringt eine Biografie mit, die Weinbau und Politik verbindet.
1969 wurde sie in Schweinfurt in eine Winzerfamilie geboren. Schon als Kind half sie im elterlichen Weinberg.
Diese frühe Prägung beschreibt der Verband als durchgängig:
Becker ist seit ihrer Geburt dem fränkischen Weinbau verbunden.

Beruflich schlug sie zunächst einen anderen Weg ein. Nach dem Abitur am Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid studierte sie in Bamberg – erst Lehramt, dann
Diplom-Pädagogik/Arbeitswissenschaften
. Daraus wurde eine selbstständige Karriere:
1995-2018 Gründung und Führung einer Unternehmensberatung, Schwerpunkte: Führung und Strategie.
Seit
2018 ist sie Stimmkreisabgeordnete für Kitzingen und Gerolzhofen.
Ihre politische Heimat ist die CSU; im Bayerischen Landtag vertritt sie den Stimmkreis Kitzingen.

Bemerkenswert ist, dass Becker den Weinbau nie nur aus der Ferne kannte. Als Beraterin arbeitete sie mitten in der Branche:
Als selbstständige Unternehmensberaterin war Becker unter anderem für Winzergruppierungen wie die Inselweinmacher, Ethos und Frank & Frei sowie den Fränkischen Weinbauverband tätig.
Und auch heute steht sie selbst im Weinberg –
die neue Präsidentin ist selbst Nebenerwerbswinzerin.

Was sich über das elterliche Weingut sagen lässt – und was nicht

Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Zu den von vielen Leserinnen und Lesern gestellten Detailfragen – an welchem Ort genau das elterliche Weingut liegt, welche Rebsorten die Familie kultivierte und ob der Wein selbst ausgebaut oder an eine Genossenschaft abgegeben wurde – liegen keine belastbaren öffentlichen Angaben vor. Gesichert ist nur, dass die Familie aus Schweinfurt stammt und Becker im elterlichen Weinberg aufgewachsen ist. Wir verzichten bewusst darauf, diese Lücken mit Vermutungen zu füllen.

Was sich seriös einordnen lässt, ist der typische Rahmen:
Die Mehrzahl der Winzer in Franken hat sich zu lokalen Genossenschaften zusammengeschlossen.
Gerade für Familien im Nebenerwerb ist die Ablieferung an eine Genossenschaft seit jeher der Regelfall – ob das auch auf den Beckerschen Betrieb zutrifft, ist jedoch nicht dokumentiert.

Das Anbaugebiet, das sie nun vertritt

Franken ist überschaubar groß, aber dicht an Geschichte und Charakter.
Nach Verbandsangaben ist das Weinanbaugebiet Franken etwa 6.300 Hektar groß. Jährlich werden dort etwa 400.000 Hektoliter Wein erzeugt. Die Anbaufläche erstreckt sich in etwa von Bamberg bis Aschaffenburg.
Der weitaus größte Teil liegt dabei in Unterfranken,
vor allem im Bereich der Täler von Main, Wern und Fränkischer Saale.

Die Wurzeln reichen weit zurück:
Der Weinbau in Franken geht bis in das 8. Jahrhundert zurück. Dies belegt eine Schenkungsurkunde von Karl dem Großen aus dem Jahr 777 für Hammelburg und 779 für Würzburg.
Heute zählt Franken zu den mittelgroßen deutschen Gebieten und ist zugleich das, was viele mit dem bauchigen Bocksbeutel verbinden.

Silvaner, Müller-Thurgau und das fränkische Profil

Wer Frankens Weine verkostet, schmeckt zwei prägende Rebsorten. Der Silvaner gilt als Aushängeschild:
Besonders der Silvaner gedeiht optimal auf den Muschelkalk- und Keuperböden. Er ist ein Aushängeschild fränkischer Weinmacherkunst und bedeckt mit 1.563 ha ein Viertel der fränkischen Rebfläche.
Daneben steht die flächenstärkste Weißweinsorte:
Feinaromatischer Müller-Thurgau, mit 1.375 ha Frankens zweitmeistangebaute Rebsorte, wird von jungen Winzern modern ausgebaut und erlebt eine Renaissance.

Historisch war die Reihenfolge umgekehrt.
Ursprünglich war der Silvaner die wichtigste Rebsorte Frankens und galt als typischer Frankenwein. Um angesichts der klimatischen Schwierigkeiten bessere Erträge zu erreichen, wurden im 20. Jahrhundert große Flächen mit Müller-Thurgau bestockt.
Das Gebiet bleibt klar weiß geprägt:
Rund 83 Prozent beträgt der Weißweinanteil in Franken; neben Silvaner und Müller-Thurgau kommt der weißen Rebsorte Bacchus als regionale Spezialität eine große Bedeutung zu.
Beim Rotwein dominieren
Domina, Regent und Spätburgunder
, konzentriert im Mainviereck.

Typisch fränkisch ist auch der trockene Ausbau, der dem Gebiet einen eigenen Ruf eingebracht hat.
Der Restzuckergehalt fränkischer trockener Weine darf nur halb so hoch ausfallen wie in anderen deutschen Weinbaugebieten.
Und die Spitze ist international anschlussfähig:
Silvaner aus Franken gehört mit zu dem Besten, was in Deutschland aus dieser Rebsorte erzeugt wird.

Eine Präsidentin mit Branchennähe

Becker steht an der Spitze eines breit aufgestellten Präsidiums. Neben ihr wurden vier Vizepräsidenten gewählt, die Genossenschaften, den VDP.Franken und die Gruppierung Fränkisches Gewächs vertreten –
Frank Dietrich (Winzer Sommerach) und Claus Hochrein (Winzergemeinschaft Franken) für die Genossenschaften, Thilo Heuft (Staatlicher Hofkeller Würzburg) für den VDP.Franken sowie Daniel Scheinhof (Weingut Kohlmann-Scheinhof).

Spannend wird, wie Becker die Rolle ausfüllt – mit der Innensicht einer Winzertochter, dem strategischen Blick einer Unternehmensberaterin und dem politischen Gewicht einer Landtagsabgeordneten. Die Branche steht vor handfesten Fragen: Klimaresilienz und Bewässerung, der wachsende Markt für alkoholfreie Weine und die Aufgabe, fränkische Herkunft selbstbewusst zu vermarkten. Wer Frankens Weine schätzt, sollte die kommenden vier Jahre aufmerksam verfolgen.

Hinweis: Einige Detailangaben zum elterlichen Betrieb (genauer Ort, Rebsorten, Eigenausbau oder Genossenschaftsablieferung) sind öffentlich nicht belegt und wurden daher bewusst offengelassen.

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Häufige Fragen

Wer ist die erste Frau an der Spitze des Fränkischen Weinbauverbands?

Barbara Becker wurde Anfang Juni in Ochsenfurt zur Präsidentin gewählt. Sie ist die erste Frau in der 190-jährigen Geschichte des Verbands und laut Geschäftsführer Hermann Schmitt zugleich die erste Frau an der Spitze eines Weinbauverbands in Deutschland.

Wer war der Vorgänger von Barbara Becker?

Becker folgt auf Artur Steinmann, der dem Fränkischen Weinbauverband seit 2009 vorstand und nun Ehrenpräsident ist. Ihre Amtszeit beträgt vier Jahre.

Wie groß ist das Weinanbaugebiet Franken?

Das Anbaugebiet umfasst nach Verbandsangaben rund 6.300 Hektar und erstreckt sich etwa von Bamberg bis Aschaffenburg, vor allem entlang der Täler von Main, Wern und Fränkischer Saale. Jährlich werden dort rund 400.000 Hektoliter Wein erzeugt.

Welche Rebsorten sind typisch für Franken?

Prägend sind die Weißweinsorten Silvaner und Müller-Thurgau, ergänzt durch die regionale Spezialität Bacchus. Der Weißweinanteil liegt bei rund 83 Prozent; beim Rotwein dominieren Domina, Regent und Spätburgunder.

Was macht der Fränkische Weinbauverband?

Der Verband vertritt die Interessen von etwa 3.400 Winzerinnen und Winzern in Franken und gilt als Stimme der gesamten Region gegenüber Politik, Markt und Öffentlichkeit.