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Lagern & Servieren 4 Minuten Lesezeit

Wein lagern ohne Weinkeller: was in der Wohnung funktioniert

Nicht jeder hat ein kühles Gewölbe im Haus. Mit ein paar Grundregeln lässt sich Wein aber auch in der Wohnung sinnvoll aufbewahren.

Ein gewölbter Weinkeller mit konstanten zwölf Grad ist der Idealfall – aber die wenigsten Wohnungen bieten diesen Luxus. Wer seinen Wein trotzdem länger als ein paar Wochen aufbewahren möchte, muss deshalb nicht auf Genuss verzichten. Mit einem Verständnis für die entscheidenden Faktoren lässt sich auch in der Stadtwohnung ein Platz finden, der Wein nicht schadet.

Temperatur: konstant ist wichtiger als kalt

Die oft zitierten zwölf bis vierzehn Grad sind ein Richtwert für die ideale Langzeitlagerung, kein Muss. Entscheidender als die absolute Temperatur ist ihre Konstanz. Ein Ort mit gleichmäßig sechzehn oder siebzehn Grad ist besser als ein Kellerersatz, der zwischen zehn und zwanzig Grad schwankt. Starke und häufige Temperaturwechsel lassen den Wein im Verschluss regelrecht atmen: Er dehnt sich aus und zieht sich zusammen, was auf Dauer den Korken belastet und Luftkontakt begünstigt.

In der Wohnung eignen sich deshalb Orte, die von Heizkörpern, Fenstern und Küchenwärme möglichst weit entfernt sind. Ein Schrank in einem wenig genutzten, nach Norden ausgerichteten Raum, ein kühler Flur oder die unterste Ebene eines Kleiderschranks kommen infrage. Wichtig ist, direkte Sonneneinstrahlung und Nähe zu Wärmequellen wie Öfen oder Elektrogeräten zu vermeiden.

Licht, Feuchtigkeit und Erschütterung

Licht, besonders UV-Strahlung, kann Wein schneller altern lassen und unangenehme Aromen begünstigen. Deshalb werden Weinflaschen traditionell aus dunklem Glas gefertigt und im Idealfall auch dunkel gelagert. Ein Schrank mit geschlossenen Türen ist hier im Vorteil gegenüber einem offenen Regal im hellen Wohnzimmer.

Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle, allerdings meist überschätzt für kurze bis mittlere Lagerzeiten. In sehr trockener Heizungsluft kann ein Naturkorken über Monate austrocknen, was Sauerstoff eindringen lässt. Wer Flaschen mit Naturkorken über ein Jahr oder länger aufbewahren möchte, profitiert von einem Raum mit moderater Feuchtigkeit, etwa einem Kellerersatz im Souterrain oder einer Abstellkammer statt eines beheizten Zimmers.

Erschütterungen durch Straßenverkehr, Kühlschrankvibrationen oder Waschmaschinen sollten ebenfalls vermieden werden, auch wenn ihr Einfluss auf kurzfristig gelagerten Wein gering ist. Bei Flaschen, die über Jahre reifen sollen, kann ständige Bewegung die Reifung stören.

Liegend oder stehend: die Rolle des Verschlusses

Die liegende Lagerung ist bei Naturkorken sinnvoll, weil der Wein den Korken von innen feucht hält und so ein Austrocknen verhindert. Ein trockener, geschrumpfter Korken lässt Luft eindringen und kann den Wein vorzeitig oxidieren lassen. Bei Schraubverschluss entfällt dieses Problem vollständig, hier ist die Lagerposition eine reine Platzfrage.

Für die Wohnung bedeutet das: Ein einfaches Flaschenregal, in dem die Flaschen liegend Platz finden, reicht oft aus. Wer nur wenige Flaschen mit Schraubverschluss besitzt, kann diese auch stehend im Schrank verstauen, solange der Standort kühl und dunkel ist.

Was sich für die Wohnungslagerung eignet

Nicht jeder Wein verlangt nach jahrelanger Reifung. Die meisten im Handel erhältlichen Weine sind trinkfertig konzipiert und sollten innerhalb weniger Jahre nach dem Kauf genossen werden. Wer ohne idealen Kellerraum lagert, ist mit solchen Weinen gut beraten, statt auf sehr lagerfähige, tanninreiche Weine zu setzen, die eigentlich Jahrzehnte reifen könnten.

Kräftige Rotweine mit stabiler Struktur, guter Säure und präsentem Tannin verzeihen kleinere Schwankungen in der Lagerung eher als zarte, fruchtbetonte Weißweine oder Rosés, die frisch getrunken werden sollten und ohnehin meist innerhalb weniger Monate ihren Weg ins Glas finden. Für alle, die keinen perfekten Lagerort haben, aber trotzdem ein paar Flaschen auf Vorrat halten möchten, sind daher gut strukturierte, mittelfristig reifende Rotweine eine pragmatische Wahl.

Aus dem Sortiment

Wer in der Wohnung ohne klassischen Keller lagert, ist mit robusten, gut strukturierten Rotweinen auf der sicheren Seite. Der Monastrell 12 meses von Bodegas Alceño bringt mit seiner ausgewogenen Struktur und den Holznoten genügend Reserven mit, um kleinere Schwankungen zu verzeihen. Auch der Primitivo von Tenuta Ulisse mit seiner kraftvollen, vollmundigen Art eignet sich für eine solche Aufbewahrung über einige Monate. Der Barbera d'Alba von Costa di Bussia zeigt mit seiner lebendigen Frische und klaren Struktur, dass auch elegantere Rotweine hier gut aufgehoben sind. Der Azagador Reserva von Pago de la Jaraba, ausgebaut aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Tempranillo, rundet mit seiner samtigen Textur und dem langen Abgang das Bild ab.

Häufige Fragen

Kann ich Wein im Kühlschrank lagern?

Für kurze Zeit ja, für Monate eher nicht. Die niedrige Luftfeuchtigkeit im Kühlschrank trocknet Korken aus, und Vibrationen sowie Gerüche anderer Lebensmittel sind auf Dauer ungünstig. Als Zwischenstation vor dem Servieren ist er dagegen gut geeignet.

Wie wichtig ist die liegende Lagerung wirklich?

Bei Flaschen mit Naturkorken hält die liegende Position den Korken feucht und verhindert, dass er austrocknet und Luft eindringt. Bei Schraubverschluss oder Glaskorken spielt die Lage dagegen keine Rolle.

Welche Weine eignen sich besonders für die Lagerung in der Wohnung ohne Keller?

Kräftige, gut strukturierte Rotweine mit ordentlicher Säure und Tannin vertragen kleinere Temperaturschwankungen meist besser als filigrane Weißweine. Sie sind daher eine pragmatische Wahl, wenn kein idealer Lagerort zur Verfügung steht.

Ab wann sollte ich mir Sorgen um zu warme Lagerung machen?

Kurzzeitige Spitzen bis etwa 25 Grad über wenige Tage schaden den meisten Weinen kaum. Kritisch wird es bei dauerhaften Temperaturen über 22 bis 23 Grad oder bei häufigen, starken Schwankungen über mehrere Wochen.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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