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Feuchtigkeit im Weinkeller: Warum die Luft über den Wein mitentscheidet
Temperatur bekommt beim Wein die meiste Aufmerksamkeit, doch die Luftfeuchtigkeit ist für die langfristige Lagerung mindestens so wichtig. Zu trocken oder zu feucht – beides hat Folgen, die sich erst nach Jahren zeigen.
Wer über die Lagerung von Wein spricht, denkt meist zuerst an Temperatur: konstante zwölf bis vierzehn Grad, keine Schwankungen, dunkel und ruhig. Die Luftfeuchtigkeit gerät dabei oft aus dem Blick, obwohl sie über Jahre hinweg genauso entscheidend ist. Sie wirkt nicht auf den Wein selbst, sondern auf den Verschluss, der ihn schützt – und damit indirekt doch auf das, was am Ende im Glas landet.
Warum der Korken die feuchte Luft braucht
Ein Naturkorken besteht aus Zellstruktur, die auf Feuchtigkeit reagiert. Ist die Luft im Lagerraum zu trocken, verliert der Korken über die Zeit an Elastizität und schrumpft leicht. Dadurch bildet sich zwischen Korken und Flaschenhals ein winziger Spalt, durch den Sauerstoff eindringen kann. Die Folge ist eine schleichende Oxidation: Der Wein verliert Frucht und Frische, wird stumpf und in ausgeprägten Fällen bräunlich in der Farbe. Bei Weinen, die für die lange Lagerung gedacht sind, etwa einem kräftigen Nebbiolo oder einem tanninreichen Portugiesen, wirkt sich das besonders deutlich aus, da diese Weine ohnehin über Jahre hinweg reifen und jede zusätzliche Sauerstoffzufuhr den Reifeprozess verändert.
Zu viel Feuchtigkeit: Das andere Extrem
Der umgekehrte Fall wird oft überschätzt, was den Wein selbst angeht, und unterschätzt, was das Drumherum betrifft. Eine Luftfeuchtigkeit deutlich über 75 Prozent schadet dem Inhalt der Flasche nicht unmittelbar, da der Korken den Wein zuverlässig abschirmt. Betroffen sind stattdessen Etiketten, die aufweichen, sich lösen oder von Schimmel befallen werden, sowie Metallkapseln, die zu korrodieren beginnen. Für Sammler, die Wert auf den Zustand ihrer Flaschen legen oder gelegentlich verkaufen möchten, ist das ein reales Problem. Auch Holzregale und Kartonverpackungen leiden auf Dauer unter dauerhafter Feuchte und können müffeln, was sich im schlimmsten Fall sogar auf den Wein überträgt, wenn Korken den Geruch aufnehmen.
Der Bereich, der in der Praxis funktioniert
Als Richtwert für die Lagerung hat sich eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 75 Prozent etabliert. Innerhalb dieser Spanne bleibt der Korken geschmeidig genug, um seine Dichtfunktion zu erfüllen, ohne dass die Gefahr von Schimmel oder Materialschäden deutlich steigt. Wichtiger als ein exakter Zielwert ist dabei die Konstanz: Starke Schwankungen zwischen sehr trocken und sehr feucht belasten den Korken mehr als ein Wert, der leicht außerhalb der Idealspanne liegt, aber stabil bleibt. Ein einfaches Hygrometer, wie es auch für Humidore verwendet wird, liefert zuverlässige Messwerte und kostet wenig im Vergleich zu dem, was eine beschädigte Flaschensammlung wert sein kann.
Regulieren ohne großen Aufwand
In den meisten Fällen lässt sich die Feuchtigkeit mit einfachen Mitteln steuern. Ist der Raum zu trocken, was besonders in beheizten Kellern oder Wohnräumen vorkommt, helfen offene Wasserschalen, feuchter Sand am Boden oder ein kleiner Luftbefeuchter. Ist die Feuchtigkeit dagegen zu hoch, etwa in Naturkellern mit direktem Erdkontakt, schafft regelmäßiges, kurzes Lüften an trockenen Tagen Abhilfe, notfalls unterstützt durch einen Bautrockner oder Entfeuchter. Wer keinen eigenen Keller besitzt, findet in klimatisierten Weinschränken eine praktische Alternative, da diese Temperatur und Feuchtigkeit meist gemeinsam regeln und so beide Faktoren im Griff behalten.
Aus dem Sortiment
Weine mit Lagerpotenzial profitieren besonders von einem ausgeglichenen Feuchtigkeitswert, da sich Fehler im Korkenverschluss erst nach Jahren bemerkbar machen. Dazu zählt der Marco Porello Langhe DOC Nebbiolo, dessen Struktur und Tannin für eine längere Lagerung ausgelegt sind, ebenso wie der Domini DOC von José Maria da Fonseca aus dem Douro mit seinem gut eingebundenen Tannin. Auch der Costa di Bussia Barbera d'Alba und der Spice Route Bushvine Grenache, dem laut Beschreibung gutes Entwicklungspotenzial zugeschrieben wird, zeigen, wie wichtig eine stabile Lagerumgebung für die Weiterentwicklung im Glas ist. Bei all diesen Flaschen zahlt sich ein Blick auf das Hygrometer im Lagerraum langfristig aus.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Weinkeller ideal?
Als Richtwert gilt ein Bereich zwischen 60 und 75 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Innerhalb dieser Spanne bleibt der Korken elastisch genug, ohne dass Schimmelbildung an Etiketten oder Kapseln begünstigt wird.
Was passiert, wenn der Keller zu trocken ist?
Bei dauerhaft niedriger Luftfeuchtigkeit kann der Korken austrocknen und schrumpfen. Dadurch entstehen feine Spalten, durch die Sauerstoff eindringt und der Wein vorzeitig oxidiert.
Schadet zu hohe Luftfeuchtigkeit dem Wein selbst?
Der Wein in der Flasche nimmt dadurch keinen Schaden, da der Korken ihn abschirmt. Betroffen sind vor allem Etiketten, Kapseln und Holzregale, die durch Feuchtigkeit angegriffen werden und den Wiederverkaufswert mindern können.
Wie lässt sich die Feuchtigkeit im Keller messen und regulieren?
Ein einfaches Hygrometer gibt zuverlässig Auskunft über den aktuellen Wert. Bei zu trockener Luft helfen offene Wasserschalen oder ein Luftbefeuchter, bei zu hoher Feuchtigkeit sorgen Lüften und gegebenenfalls ein Entfeuchter für Ausgleich.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


