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Rebsorten 3 Minuten Lesezeit

Primitivo und Zinfandel: die Geschichte einer Rebsorte mit zwei Namen

Zwei Namen, ein genetischer Ursprung: Primitivo aus Apulien und Zinfandel aus Kalifornien gehen auf dieselbe Rebsorte zurück – mit erstaunlicher Reise über Kroatien.

Wer eine Flasche Primitivo aus Apulien neben eine Flasche Zinfandel aus Kalifornien stellt, sieht zwei unterschiedliche Weine aus zwei Ländern und Traditionen vor sich. Genetisch betrachtet handelt es sich jedoch um dieselbe Rebsorte. Diese Erkenntnis ist noch gar nicht so alt und beruht auf DNA-Untersuchungen, die eine der ungewöhnlichsten Wanderungsgeschichten der Weinwelt sichtbar gemacht haben.

Ein Name, zwei Kontinente

Primitivo wird vor allem in Apulien angebaut, dem Absatz des italienischen Stiefels. Der Name leitet sich vom lateinischen „primus“ ab und bezieht sich auf die frühe Reife der Trauben im Vergleich zu anderen Rebsorten der Region. Zinfandel wiederum gilt als kalifornische Rebsorte par excellence, obwohl sie dort erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Über lange Zeit gingen Winzer und Wissenschaftler davon aus, dass es sich um zwei eigenständige Sorten handelt, die zufällig ähnliche Weine hervorbringen.

Die Spur nach Kroatien

Erst genetische Analysen brachten Klarheit: Primitivo und Zinfandel sind ident mit einer alten kroatischen Rebsorte namens Crljenak Kaštelanski, die an der dalmatinischen Küste beheimatet ist. Von dort gelangte die Sorte vermutlich über Handelswege nach Süditalien, wo sie unter dem Namen Primitivo Fuß fasste. Ein anderer Zweig wanderte, wahrscheinlich über österreichische oder italienische Vermittlung, in die Vereinigten Staaten und wurde dort im 19. Jahrhundert unter dem Namen Zinfandel zu einer der meistgepflanzten Rotweinsorten Kaliforniens.

Diese Verbindung erklärt, warum beide Weine trotz unterschiedlicher Namen ähnliche Grundcharakteristika teilen: dunkle Beerenfrucht, ein kräftiger Körper und häufig ein spürbarer Alkoholgehalt, da die Trauben bei voller Reife viel Zucker einlagern.

Unterschiede trotz gleicher Wurzel

Auch wenn die genetische Basis identisch ist, unterscheiden sich Primitivo und Zinfandel im Glas oft deutlich. Das liegt an Klima, Boden und Weinbereitung. In Apulien sorgen die Hitze und die Nähe zum Meer für sehr reife, konzentrierte Trauben. In Kalifornien variieren die Bedingungen je nach Anbaugebiet erheblich, von kühleren Küstenlagen bis zu warmen Tälern im Landesinneren. Dazu kommen unterschiedliche Traditionen im Ausbau: Während in Apulien häufig das sogenannte Appassimento-Verfahren zum Einsatz kommt, bei dem Trauben nach der Ernte teilweise getrocknet werden, um Aromen und Zucker zu konzentrieren, prägt in Kalifornien oft der Ausbau in amerikanischer Eiche den Stil.

Primitivo in seinen vielen Facetten

In Apulien selbst zeigt sich die Rebsorte keineswegs einheitlich. Es gibt kräftige, trockene Rotweine ebenso wie halbtrockene oder süße Varianten, dazu Roséweine, die von der dunklen Traube einen deutlich helleren, fruchtbetonten Stil erhalten. Diese Bandbreite macht Primitivo zu einer Sorte, die sich nicht auf ein einziges Geschmacksbild festlegen lässt, sondern je nach Erzeugungsstil und Ausbau sehr unterschiedliche Weine hervorbringt.

Aus dem Sortiment

Der ULISSE Primitivo Terre di Chieti IGP von Tenuta Ulisse zeigt mit Aromen von reifen Kirschen, Pflaumen und Kakao einen typisch kraftvollen Vertreter der Sorte aus den Abruzzen. Einen direkten Vergleich zum kalifornischen Zweig der Rebsorte ermöglicht der Lodi Old Vine Zinfandel von Ironstone Vineyards, der neben Zinfandel auch Teroldego und Petite Sirah enthält und dunkle Frucht mit Pfefferwürze verbindet. Der TANK 32 Primitivo Puglia IGT Appassimento von CAMIVINI S.P.A. veranschaulicht das für Apulien typische Trocknungsverfahren, das zu konzentrierten Aromen von getrockneten Pflaumen und Feigen führt. Wer die mildere, halbtrockene Seite der Sorte kennenlernen möchte, findet sie im Primitivo di Puglia IGT Mucchietto von Pasqua mit seinen Noten von Brombeeren und Vanille.

Häufige Fragen

Sind Primitivo und Zinfandel wirklich dieselbe Rebsorte?

Ja, DNA-Analysen haben gezeigt, dass beide Namen dieselbe Rebsorte bezeichnen. Sie geht auf eine alte kroatische Sorte namens Crljenak Kaštelanski zurück, die in Italien als Primitivo und in den USA als Zinfandel bekannt wurde.

Warum schmecken Primitivo und Zinfandel dann oft unterschiedlich?

Klima, Bodenbeschaffenheit und Weinbereitung unterscheiden sich zwischen Apulien und Kalifornien deutlich. Dazu kommen unterschiedliche Traditionen beim Ausbau, etwa der Einsatz von Appassimento-Verfahren in Italien oder von amerikanischer Eiche in den USA.

Woran erkenne ich, ob eine Flasche Primitivo oder Zinfandel ist?

Das Etikett verrät es meist direkt über die Sortenbezeichnung. Primitivo stammt in der Regel aus Apulien oder anderen italienischen Anbaugebieten, während Zinfandel vor allem aus Kalifornien kommt.

Passt Primitivo auch zu Rosé oder süßen Weinen?

Ja, die Rebsorte zeigt sich vielseitig und wird neben kräftigen Rotweinen auch zu Rosé oder in halbtrockenen und süßen Stilrichtungen ausgebaut. Die dunklen Fruchtaromen bleiben dabei meist erkennbar.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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