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Marsanne und Roussanne: die stillen Stars der weißen Rhône
Während Viognier und Grenache Blanc viel Aufmerksamkeit bekommen, arbeiten Marsanne und Roussanne meist im Hintergrund. Zusammen bilden sie das Rückgrat vieler weißer Rhône-Weine.
Im Schatten von Viognier und Grenache Blanc führen Marsanne und Roussanne ein eher zurückhaltendes Dasein. Dabei bilden gerade sie das traditionelle Fundament vieler weißer Rhône-Weine, von einfachen Alltagsweinen bis zu den gehaltvollen Weißweinen aus Hermitage und Saint-Joseph. Wer die Rhône verstehen will, kommt an diesem Duo nicht vorbei.
Zwei Sorten, ein eingespieltes Team
Marsanne und Roussanne stammen beide aus der nördlichen Rhône und werden dort seit Generationen gemeinsam angebaut. Der Grund liegt in ihren komplementären Eigenschaften: Marsanne liefert Körper, Fülle und eine gewisse Breite am Gaumen, neigt bei warmem Klima jedoch zu einer gewissen Schwere und kann an Frische verlieren. Roussanne gleicht das aus. Sie bringt Säure, Aromatik und eine feinere, oft florale Nase mit, reift aber empfindlicher und ist anfälliger für Krankheiten im Weinberg. Winzer verschneiden beide Sorten daher häufig, um Stabilität und Balance zu erreichen. Reinsortige Weine aus nur einer der beiden Trauben existieren, sind in der Praxis aber seltener als die klassische Cuvée.
Herkunft an der nördlichen Rhône
Die klassischen Anbaugebiete für diese Sorten liegen an der nördlichen Rhône, etwa in den Appellationen Hermitage, Crozes-Hermitage und Saint-Joseph. Dort stehen die Reben häufig auf steilen, steinigen Hängen, was den Weinen eine mineralische Note verleiht. Von dort aus haben sich beide Sorten in andere französische Regionen verbreitet, etwa ins Languedoc-Roussillon, wo sie oft Teil größerer Cuvées mit weiteren südfranzösischen Sorten wie Grenache Blanc oder Picpoul sind. Auch außerhalb Frankreichs, etwa in Australien, haben Marsanne und Roussanne Fuß gefasst und werden dort teilweise mit Viognier kombiniert, einer dritten Rhône-Sorte mit ausgeprägter Aromatik.
Charakter im Glas
Weine aus Marsanne und Roussanne zeigen typischerweise Aromen von Steinobst wie Pfirsich und Aprikose, begleitet von floralen Noten und einer mineralischen Grundierung. Je nach Anteil und Ausbau können auch Noten von Zitrusfrucht, gerösteten Nüssen oder weißen Blüten hinzukommen. Am Gaumen sind diese Weine oft cremig und dicht, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Die Frische kommt meist von der Roussanne, während die Marsanne für Substanz und ein rundes, manchmal fast öliges Mundgefühl sorgt. Diese Kombination aus Fülle und Eleganz unterscheidet den Stil deutlich von schlanken, rein auf Frische ausgelegten Weißweinen.
Stilistische Bandbreite
Die Bandbreite reicht von einfachen, unkomplizierten Weinen aus dem Languedoc bis zu komplexeren Erzeugnissen aus den nördlichen Rhône-Appellationen. Einfachere Cuvées betonen meist die fruchtige, zugängliche Seite der Sorten mit Noten von Steinobst und Blüten. Weine aus traditionellen Appellationen wie Saint-Joseph zeigen dagegen oft mehr Tiefe und eine ausgeprägtere mineralische Struktur, die auch von der Lage und dem Terroir geprägt wird. International verschnittene Weine, etwa mit Viognier, erhalten durch diese dritte Sorte häufig eine zusätzliche aromatische Komponente, die den Wein duftiger und opulenter wirken lässt, während Roussanne auch hier für die mineralische Balance sorgt.
Aus dem Sortiment
Der Saint Joseph Blanc Méribets von Domaine Vallet zeigt den klassischen Stil der nördlichen Rhône, bei dem Marsanne und Roussanne zu einem eleganten Wein mit Steinfrucht- und floralen Noten verschmelzen. Die Cuvée Marsanne-Roussanne von Crès Ricards aus dem Pays d'Oc bietet eine zugänglichere, frischere Interpretation mit Aromen von Passionsfrucht und weißen Blüten. Der Arrivant Blanc von Terre de Tramontane ergänzt beide Sorten um Picpoul, wodurch zusätzliche Frische entsteht, während Marsanne und Roussanne für Dichte und Tiefe sorgen. Im Tradition Laubret Blanc von La Grange treffen Marsanne und Grenache Blanc aufeinander und zeigen, wie die Sorte auch außerhalb der klassischen Zweierkombination funktioniert.
Häufige Fragen
Werden Marsanne und Roussanne meist gemeinsam ausgebaut?
Ja, traditionell werden beide Sorten oft verschnitten, da sich ihre Eigenschaften ergänzen. Marsanne bringt Fülle und Struktur, Roussanne steuert Frische und Aromatik bei. Reinsortige Abfüllungen kommen vor, sind aber seltener als Cuvées.
Schmecken Marsanne und Roussanne wie Viognier?
Nein, auch wenn alle drei an der nördlichen Rhône verbreitet sind, unterscheiden sie sich deutlich. Viognier zeigt meist intensivere, blumige Aromatik, während Marsanne und Roussanne zurückhaltender und mineralischer wirken.
Wo außerhalb Frankreichs werden diese Sorten angebaut?
Beide Sorten finden sich unter anderem in Australien, wo sie ebenfalls in Weißweincuvées verwendet werden. Auch in anderen warmen Weinbauregionen werden sie zunehmend angebaut, bleiben aber international Nischensorten.
Eignen sich diese Weine zum Lagern?
Marsanne-betonte Weine mit guter Struktur können durchaus einige Jahre reifen und entwickeln dabei oft nussige, honigartige Nuancen. Dies hängt jedoch stark vom jeweiligen Ausbau und der Säurestruktur ab.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


