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Rebsorten 3 Minuten Lesezeit

Barbera: Piemonts Alltagsrebsorte mit erstaunlicher Frische

Während Nebbiolo in Barolo und Barbaresco die Bühne beherrscht, sorgt Barbera im Piemont für Weine, die man ohne langes Warten trinkt – und die trotzdem Charakter zeigen.

Im Piemont steht Nebbiolo für die großen, langlebigen Weine aus Barolo und Barbaresco. Barbera dagegen ist die Rebsorte, mit der man dort tatsächlich lebt: sie füllt die Gläser zum Mittagessen, begleitet den Alltag und wird nicht selten schon im jungen Jahr getrunken. Diese Rolle hat der Sorte lange den Ruf einer einfachen Massenrebe eingebracht. Wer genauer hinschaut, findet jedoch eine Traube mit einer bemerkenswerten Eigenschaft: eine Säure, die auch bei voller Reife erhalten bleibt und dem Wein eine Frische verleiht, die viele andere rote Rebsorten in dieser Kombination mit Fruchtfülle nicht bieten.

Herkunft und Verbreitung

Barbera ist im Piemont beheimatet und dort seit Jahrhunderten die am weitesten verbreitete rote Rebsorte, deutlich vor Nebbiolo und Dolcetto. Die wichtigsten Herkunftsgebiete liegen rund um die Städte Asti und Alba, wo die Weine als Barbera d'Asti beziehungsweise Barbera d'Alba klassifiziert werden. Barbera d'Asti trägt den Status einer DOCG, während Barbera d'Alba als DOC geführt wird – ein Hinweis auf die traditionelle Bedeutung der Sorte in ihrem Kerngebiet. Über das Piemont hinaus wird Barbera auch in anderen italienischen Regionen wie der Lombardei angebaut, oft in Verschnitten mit lokalen Sorten, sowie in geringerem Umfang in Übersee, etwa in Argentinien und Kalifornien, wohin sie mit italienischen Auswanderern gelangte.

Charakter im Glas

Barbera zeigt sich meist mit einer kräftigen, dunklen Farbe und einem Duft, der von Kirschen, insbesondere Sauerkirschen, sowie roten und dunklen Beeren geprägt ist. Am Gaumen fällt zunächst die Säure auf, die dem Wein eine geradlinige, belebende Struktur gibt. Der Tanningehalt ist im Vergleich zu Nebbiolo oder Sangiovese eher moderat, was Barbera schon jung zugänglich macht. Diese Kombination aus lebendiger Säure und weichem Gerbstoff erklärt, warum die Sorte so gut zu würzigen, auch fetten Speisen passt: Die Säure gleicht Fett aus, ohne dass kräftiges Tannin die Zunge zusätzlich belastet.

Vom einfachen Trinkwein zum ambitionierten Gewächs

Die Stilspanne bei Barbera ist groß. Einerseits gibt es unkomplizierte, fruchtbetonte Weine, die im Stahltank ausgebaut werden und ihre Frische und Frucht in den Vordergrund stellen. Andererseits haben einzelne Erzeuger seit den 1980er Jahren begonnen, Barbera im Barrique auszubauen und damit dichtere, komplexere Weine zu erzeugen, die zusätzliche Würze und Röstnoten aus dem Holz aufnehmen, ohne dabei die charakteristische Säure zu verlieren. Diese Bandbreite macht Barbera zu einer Sorte, die sowohl als unkomplizierter Alltagswein als auch als anspruchsvoller Wein mit Reifepotenzial auftreten kann – je nachdem, mit welchem Anspruch der Erzeuger an sie herangeht.

Barbera in Verschnitten

Neben dem sortenreinen Ausbau wird Barbera auch in Cuvées mit anderen Rebsorten verwendet, etwa in der Lombardei, wo sie mit Sorten wie Sangiovese, Marzemino oder Groppello kombiniert wird. Solche Verschnitte nutzen die Säurestruktur von Barbera, um dem Gesamtwein Frische und Trinkfluss zu verleihen, während die Partnersorten Fülle, Würze oder florale Noten beisteuern. Diese Praxis zeigt, dass Barbera nicht nur als eigenständige Sorte, sondern auch als strukturgebendes Element in Verschnitten geschätzt wird.

Aus dem Sortiment

Die Bandbreite der Rebsorte lässt sich anhand mehrerer Weine aus dem Sortiment nachvollziehen. Der Costa di Bussia Barbera d'Alba DOC zeigt sich mit Sauerkirschen und roten Beeren als geradliniger, klassischer Vertreter der Sorte. Deutlich mehr Struktur und den Einfluss des Barrique-Ausbaus bringt der Domenico Clerico Barbera d'Alba DOC Trevigne mit, während der Ferraris Barbera d'Asti DOCG Del Martin die kraftvollere Seite der Herkunft Asti vertritt. Der Bricco Lagotto Barbera Piemonte DOC schließlich steht für einen zugänglichen, harmonischen Stil mit reifer roter Frucht und geschmeidigen Tanninen.

Häufige Fragen

Ist Barbera immer leicht und einfach?

Nein. Je nach Anbaugebiet, Ertrag und Ausbau reicht die Spanne von unkompliziert-fruchtig bis zu dichten, im Barrique gereiften Weinen mit deutlicher Struktur. Die namensgebende Säure bleibt jedoch meist ein verbindendes Element.

Woher stammt Barbera ursprünglich?

Die Rebsorte ist im Piemont beheimatet und hat dort eine lange Anbautradition, insbesondere in den Provinzen Asti und Alba. Heute wird sie auch in anderen italienischen Regionen sowie in Übersee angebaut.

Wie unterscheiden sich Barbera d'Asti und Barbera d'Alba?

Beide sind DOC beziehungsweise DOCG-Weine aus dem Piemont, unterscheiden sich aber durch die Böden und das Klima ihrer Herkunftsgebiete. Barbera d'Asti gilt allgemein als etwas kraftvoller, Barbera d'Alba oft als zugänglicher und fruchtbetonter, wobei Einzelweine davon abweichen können.

Was macht die Säure von Barbera besonders?

Barbera behält auch bei voller Reife eine ausgeprägte Säure, während der Gerbstoffgehalt vergleichsweise moderat bleibt. Diese Kombination sorgt für Frische am Gaumen, selbst wenn die Frucht reif und dicht wirkt.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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