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Sizilien: Ätna, Marsala und die neue Generation
Zwischen Vulkanboden und Salzwiesen entsteht auf Sizilien ein Weinstil, der sich von der bloßen Sonneninsel längst gelöst hat.
Sizilien war lange Zeit vor allem für Masse bekannt, nicht für Klasse. Die größte Insel des Mittelmeers lieferte über Jahrzehnte hinweg Verschnittwein in großen Mengen. Wer heute genauer hinschaut, findet dort eine der spannendsten Weinlandschaften Italiens: einen aktiven Vulkan mit eigenständigen Terroirs, eine jahrhundertealte Tradition des Marsala und eine Generation von Winzern, die alte Rebsorten neu interpretiert.
Der Ätna als eigenes Universum
Der Ätna prägt den Weinbau im Nordosten Siziliens auf eine Weise, die mit dem Rest der Insel wenig zu tun hat. Die Weinberge liegen in beträchtlicher Höhe, teils deutlich über 600 Metern, was für spürbar kühlere Nächte sorgt als in den Küstenlagen. Diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht halten die Säure in den Trauben lebendig, selbst bei viel Sonneneinstrahlung am Tag.
Hinzu kommt der Boden: Lava, Asche und Bimsstein aus verschiedenen Ausbruchsperioden ergeben ein Mosaik unterschiedlichster Parzellen, oft nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und doch mit ganz eigenem Charakter. Diese vulkanische Vielfalt gilt als einer der Gründe, warum Ätna-Weine häufig eine mineralische Note und eine straffe Struktur zeigen, die man auf einer mediterranen Insel nicht unbedingt erwartet.
Marsala: mehr als ein Kochwein
Kaum ein sizilianischer Wein hat einen so wechselhaften Ruf wie Marsala. Ursprünglich als aufgespriteter Wein für den Export nach England entwickelt, wurde er später vor allem in der Küche zum Standardzutat degradiert. Dabei handelt es sich um eine Weinkategorie mit eigener Handschrift, vergleichbar mit Sherry oder Port: Die Aufspritung mit Alkohol stoppt die Gärung und stabilisiert den Wein, wodurch je nach Ausbaustil trockene bis süße, junge bis lang gereifte Varianten entstehen. Ein sorgfältig hergestellter Marsala kann durchaus für sich allein stehen, als Aperitif oder Digestif, und zeigt dann eine ganz andere Seite als die Flasche im Küchenschrank.
Nero d'Avola: das rote Rückgrat der Insel
Wer an sizilianischen Rotwein denkt, denkt an Nero d'Avola. Die Sorte ist auf der gesamten Insel verbreitet und liefert je nach Lage und Ausbau ganz unterschiedliche Stile: mal fruchtig und zugänglich, mal kraftvoll mit fester Tanninstruktur. Cusumano zeigt diese Bandbreite mit zwei eigenständigen Weinen, während Ilda Madre und Canicattí mit ihren Nero d'Avola ebenfalls die Vielseitigkeit der Sorte belegen, von unkompliziert bis konzentriert.
Zunehmend wird Nero d'Avola auch mit internationalen Sorten kombiniert. Syrah passt farblich und aromatisch gut dazu, bringt oft eine würzigere, dunklere Note mit, wie sie sich auch in reinsortigen Ausbauten zeigt. Solche Cuvées verbinden die mediterrane Wärme der einheimischen Sorte mit der Struktur, die Syrah mitbringt.
Weiße Sorten zwischen Frische und Tradition
Neben den Rotweinen hat Sizilien eine lange Geschichte mit autochthonen weißen Rebsorten. Catarratto zählt zu den meistangebauten Sorten der Insel und liefert oft die Basis für frische, unkomplizierte Weißweine. Insolia, auch als Inzolia bekannt, bringt häufig Noten von grünem Apfel und Zitrus mit und eignet sich sowohl reinsortig als auch im Verschnitt. Zibibbo, botanisch Muscat d'Alexandria, ist besonders für seine aromatische Intensität bekannt, mit typischen Noten von weißen Blüten und Steinobst, und wird auf Sizilien sowohl trocken als auch als Süßwein ausgebaut.
Die neue Generation
Was Sizilien in den vergangenen Jahren verändert hat, ist weniger eine neue Rebsorte als ein neuer Anspruch. Erzeuger wie Donnafugata haben früh gezeigt, dass sich mediterrane Frische und internationale Qualitätsstandards nicht ausschließen. Diese Entwicklung setzt sich fort: mehr Sortenreinheit, mehr Respekt vor den unterschiedlichen Terroirs der Insel, vom Vulkanboden im Nordosten bis zu den warmen Küstenlagen im Süden. Sizilien ist damit vom reinen Massenlieferanten zu einer Region geworden, die auf engem Raum eine erstaunliche stilistische Breite bietet.
Aus dem Sortiment
Die Bandbreite sizilianischer Rotweine zeigt sich bei Cusumano gleich zweifach: der Benuara als Cuvée aus Syrah und Nero d'Avola, der Nero d'Avola Sicilia DOC reinsortig und kraftvoll. Canicattí steuert mit dem Nero d'Avola DOC Aynat eine weitere Interpretation der Leitsorte bei, während Ilda Madre eine zugänglichere, würzige Variante liefert. Auf der weißen Seite stehen Donnafugata mit Anthilia und Lighea für die aromatische Frische der Insel, letzterer aus der Rebsorte Zibibbo gekeltert.
Häufige Fragen
Warum gelten Weine vom Ätna als besonders?
Die vulkanischen Böden aus Lava, Asche und Bimsstein speichern Wärme und Feuchtigkeit unterschiedlich als Kalk oder Ton, und die Höhenlagen sorgen für kühlere Nächte. Das ergibt Weine mit mehr Frische und Struktur, als man von einer südlichen Insel erwarten würde.
Ist Marsala nur ein Süßwein für die Küche?
Marsala wird zwar häufig zum Kochen verwendet, ist aber ursprünglich ein aufgespriteter Wein mit eigener Stilistik und Reifekategorien, ähnlich wie Sherry oder Port. Trockene und halbtrockene Varianten eignen sich auch als eigenständiger Aperitif oder Digestif.
Was unterscheidet Nero d'Avola von Syrah auf Sizilien?
Nero d'Avola ist die autochthone Rebsorte der Insel und bringt meist dunkle Frucht, feste Tannine und mediterrane Würze mit. Syrah wurde später eingeführt und liefert oft rauchigere, pfeffrigere Noten, häufig auch in Cuvées mit Nero d'Avola kombiniert.
Welche Weißweine sind für Sizilien typisch?
Catarratto und Insolia (auch Inzolia genannt) zählen zu den traditionellen weißen Rebsorten, dazu kommt der aromatische Zibibbo, der auf der Insel Pantelleria sowohl trocken als auch süß ausgebaut wird.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


