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Restweinflaschen clever verschließen: Vakuumpumpe, Coravin und Co. im Vergleich
Nicht jede Flasche wird an einem Abend geleert. Wie Sie angebrochenen Wein mehrere Tage frisch halten, hängt vom richtigen Verschlusssystem ab.
Eine geöffnete Flasche Wein, aber nur zwei Gläser für den Abend – dieses Szenario kennt fast jeder Weintrinker. Was mit dem Rest passiert, entscheidet über die Qualität am nächsten Tag oder in der kommenden Woche. Denn Sauerstoff, der durch das Öffnen in die Flasche gelangt, setzt einen chemischen Prozess in Gang, der Aromen verändert und den Wein irgendwann kippen lässt. Verschiedene Systeme wollen diesen Prozess verlangsamen oder ganz stoppen. Sie unterscheiden sich deutlich in Funktionsweise, Aufwand und Eignung für unterschiedliche Weintypen.
Warum offener Wein altert
Sobald der Korken oder Schraubverschluss entfernt ist, kommt der Wein mit der Luft in Kontakt. Der darin enthaltene Sauerstoff reagiert mit Inhaltsstoffen wie Phenolen und Aromastoffen. In kleinen Mengen kann das kurzzeitig sogar positiv wirken, etwa wenn ein junger, tanninbetonter Rotwein durch das Atmen zugänglicher wird. Bleibt die Flasche jedoch offen stehen, überwiegt schnell der Abbau: Fruchtaromen verflüchtigen sich, die Farbe verändert sich, und bei fortschreitender Oxidation entstehen unangenehme Noten, die an Sherry oder Essig erinnern. Wie schnell dieser Prozess abläuft, hängt vom Weintyp ab. Leichte, aromatische Weißweine reagieren empfindlicher als kräftige, gerbstoffreiche Rotweine, die durch ihre Struktur etwas mehr Puffer besitzen.
Vakuumpumpe: die einfache Lösung
Vakuumpumpen gehören zu den am weitesten verbreiteten Hilfsmitteln. Ein spezieller Gummistopfen wird auf die Flasche gesetzt, anschließend zieht eine kleine Handpumpe einen Teil der Luft aus dem Flaschenhals ab. Das reduzierte Sauerstoffangebot verlangsamt die Oxidation spürbar. Der Vorteil liegt in der einfachen Handhabung und dem geringen Preis, weshalb sich das System für den täglichen Gebrauch eignet. Ein vollständiges Vakuum lässt sich mit diesen Geräten allerdings nicht erzeugen, ein Rest Luftsauerstoff bleibt immer in der Flasche. Für die meisten Alltagsweine, etwa einen unkomplizierten Barbera d’Alba oder einen fruchtigen Pecorino, reicht dieser Schutz für zwei bis drei Tage im Kühlschrank völlig aus.
Inertgas-Sprays: Schutzschicht statt Unterdruck
Ein anderes Prinzip verfolgen Sprays mit Inertgas, meist eine Mischung aus Stickstoff, Kohlendioxid und Argon. Statt Sauerstoff zu entfernen, wird er verdrängt: Das schwerere Gas legt sich wie eine schützende Schicht auf die Weinoberfläche und hält so die Luft vom Kontakt mit dem Wein fern. Die Anwendung ist unkompliziert, ein kurzer Sprühstoß in die Flasche vor dem Verschließen genügt. Dieses Verfahren eignet sich besonders für Weine, die über längere Zeit, teilweise mehrere Wochen, in kleinen Mengen genossen werden sollen. Da kein mechanischer Druck auf den Korken oder Verschluss ausgeübt wird, ist die Handhabung auch für empfindlichere Flaschen unkritisch.
Coravin: Wein zapfen ohne zu öffnen
Das Coravin-System geht einen grundsätzlich anderen Weg. Statt den Korken zu entfernen, wird eine dünne Hohlnadel durch ihn hindurchgestochen. Über die Nadel strömt Argon in die Flasche und drückt den Wein nach oben heraus, während der Korken sich nach dem Herausziehen der Nadel wieder selbst verschließt. Der große Vorteil: Die Flasche kommt nie vollständig mit Sauerstoff in Kontakt, wodurch sich auch besonders alterungsfähige oder hochwertige Rotweine über Wochen oder Monate in kleinen Portionen genießen lassen. Das System eignet sich vor allem für Weine, die selten in einem Zug geleert werden, etwa einen komplexeren Nebbiolo aus dem Piemont. Für den täglichen Gebrauch bei einfacheren Weinen ist der Aufwand allerdings unverhältnismäßig hoch, zumal die Nadeln und Kapseln laufende Kosten verursachen.
Was für welchen Wein sinnvoll ist
Die Wahl des Systems sollte sich danach richten, wie oft eine Flasche geöffnet und wie lange der Rest aufbewahrt werden soll. Für den kurzfristigen Schutz über wenige Tage reicht in den meisten Fällen eine Vakuumpumpe. Wer Wein regelmäßig nur glasweise trinkt und Flaschen über längere Zeiträume offenhalten möchte, profitiert von Inertgas oder einem Coravin-System. Unabhängig vom gewählten Verfahren gilt: Kühle Lagerung verlangsamt die Oxidation zusätzlich, auch Rotwein sollte nach dem Verschließen im Kühlschrank aufbewahrt und vor dem Servieren wieder temperiert werden. Ein paar grundsätzliche Punkte helfen bei der Entscheidung:
- Kräftige, tanninreiche Rotweine vertragen offene Lagerung länger als filigrane Weißweine.
- Aromatische, fruchtbetonte Weißweine sollten möglichst rasch und mit Sauerstoffschutz verschlossen werden.
- Schaumwein benötigt ein eigenes System, das den Kohlensäuredruck erhält.
- Je hochwertiger und alterungsfähiger ein Wein, desto eher lohnt sich der Aufwand eines Coravin-Systems.
Aus dem Sortiment
Ein Barbera d’Alba DOC von Costa di Bussia zeigt mit seiner lebendigen Frische, wie gut ein kräftiger, geradliniger Rotwein auch am zweiten Tag noch überzeugen kann, wenn er richtig verschlossen wurde. Der Langhe DOC Nebbiolo von Marco Porello mit seinen floralen Noten und dem Ausbau im Holz gehört zu den Weinen, bei denen sich ein schonender Verschluss wie Coravin besonders auszahlt. Beim Spice Route Bushvine Grenache aus Südafrika, der mit feinen Tanninen und guter Säure Entwicklungspotenzial mitbringt, lohnt sich ebenfalls eine sorgfältige Lagerung nach dem Öffnen. Der ULISSE Pecorino von Tenuta Ulisse zeigt hingegen, dass frische, fruchtbetonte Weißweine von einem raschen, sauerstoffarmen Verschluss besonders profitieren.
Häufige Fragen
Wie lange hält sich Wein mit einer Vakuumpumpe?
Bei sorgfältiger Anwendung und kühler Lagerung bleiben die meisten Weine zwei bis drei Tage frisch. Empfindliche Weißweine und leichte Rote profitieren zusätzlich von der Lagerung im Kühlschrank, auch wenn sie vor dem Servieren wieder temperiert werden sollten.
Lohnt sich ein Coravin-System für den Alltag?
Für Flaschen, die regelmäßig nur glasweise geöffnet werden, etwa besondere Rotweine, ist das System durchaus sinnvoll. Bei Weinen, die ohnehin zügig getrunken werden, reicht meist eine einfachere Lösung wie eine Vakuumpumpe oder ein Vino-Seal-Verschluss.
Warum wird Wein nach dem Öffnen schlecht?
Sobald der Wein Luft ausgesetzt ist, beginnt der im Sauerstoff enthaltene Vorgang der Oxidation. Aromen bauen sich ab, Farbe und Geschmack verändern sich, im fortgeschrittenen Stadium entstehen unangenehme, essigähnliche Noten.
Braucht ein Schaumwein ein spezielles System?
Ja, denn bei Schaumwein geht es nicht um Oxidationsschutz allein, sondern vor allem um den Erhalt der Kohlensäure. Spezielle Sektverschlüsse mit Klemmmechanismus halten den Druck in der Flasche und bewahren die Perlage für ein bis zwei Tage.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


