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Perlage mit Herkunft: Wie aus stillem Wein Schaumwein wird
Ob Champagner, Prosecco oder Lambrusco: Die Kohlensäure im Glas entsteht durch eine zweite Gärung. Wie diese abläuft, entscheidet über Stil und Perlage.
Ein Glas Schaumwein beginnt sein Leben ganz gewöhnlich: als stiller Wein. Erst eine zweite Gärung verwandelt ihn in ein prickelndes Getränk. Wie diese zweite Gärung abläuft, ob in der Flasche oder im großen Tank, bestimmt maßgeblich, wie fein die Bläschen perlen und welche Aromen sich im Glas entfalten. Wer diesen Unterschied kennt, versteht auf einen Blick, warum Champagner anders schmeckt als Prosecco und warum beide ihre Berechtigung haben.
Die zweite Gärung als gemeinsamer Ausgangspunkt
Jeder Schaumwein durchläuft zunächst eine ganz normale alkoholische Gärung, bei der aus Traubenmost stiller Wein entsteht. Für die Kohlensäure sorgt erst ein zweiter Schritt: Man setzt dem fertigen Wein erneut Hefe und Zucker zu und lässt ihn in einem geschlossenen Behälter noch einmal gären. Da das entstehende Kohlendioxid nicht entweichen kann, löst es sich unter Druck im Wein. Genau hier trennen sich die Wege: Findet diese zweite Gärung in der einzelnen Flasche statt, spricht man von Flaschengärung. Geschieht sie in einem großen, druckfesten Tank, handelt es sich um Tankgärung, häufig auch Charmat-Methode genannt.
Flaschengärung: Zeit, Hefe und Geduld
Bei der klassischen Flaschengärung, wie sie in der Champagne praktiziert wird und die dort als traditionelle Methode gilt, reift der Wein monate- oder jahrelang auf seiner Hefe in der verschlossenen Flasche. Die abgestorbenen Hefezellen, die sogenannte Feinhefe, geben dem Wein während dieser Zeit Aromen von Brioche, Nuss oder Brot mit. Zum Abschluss wird die Hefe durch Rütteln in den Flaschenhals bewegt, dort eingefroren und beim Degorgieren entfernt. Dieser aufwendige Prozess erklärt, warum solche Schaumweine meist komplexer und teurer sind. Der Blanc des Noirs von Champagne Virginie T. zeigt diesen Stil beispielhaft: Aromen roter Früchte treffen auf Brioche- und mineralische Noten, getragen von präziser Säure und feiner Perlage.
Tankgärung: Frucht im Vordergrund
Bei der Tankgärung läuft die zweite Gärung in großen, druckfesten Stahltanks ab, meist über wenige Wochen. Der Hefekontakt ist kurz, oft nur wenige Tage bis Monate, wodurch die primäre Fruchtaromatik der Traube im Vordergrund bleibt statt der durch Hefe entstehenden Töne. Diese Methode ist typisch für Prosecco aus der Rebsorte Glera und erlaubt es, Schaumwein schneller und in größeren Mengen herzustellen, ohne dabei an Qualität einzubüßen. Der Millesimato Prosecco Spumante Brut DOC Gold von San Simone di Brisotto zeigt diesen fruchtbetonten Stil mit Apfel, Birne, Aprikose und einem Hauch Mandelblüte, getragen von feiner, lebendiger Perlage. Auch der Cuvée Blanc de Blancs Brut Galaxy desselben Erzeugers, eine Cuvée aus Glera und Chardonnay, setzt auf diese frische, klare Linie mit grünem Apfel und Zitrus.
Rosé-Schaumwein: zwei Wege zur Farbe
Auch bei Rosé-Schaumwein gibt es methodische Unterschiede, die unabhängig von Flaschen- oder Tankgärung bestehen. Die Farbe kann durch kurzen Schalenkontakt mit blauen Trauben entstehen oder durch die Verschnittmethode, bei der weißem Grundwein etwas Rotwein zugesetzt wird. Der Millesimato Prosecco Spumante Doc Rosé von San Simone di Brisotto, eine Cuvée aus Glera und Pinot Noir, verbindet Noten von Blau- und Waldbeeren mit einer zitrischen Frische und feiner, anhaltender Perlage. Der Prosecco Dry DOC Gino Rosé von V8+ zeigt sich dagegen lieblicher, mit Aromen von roten Beeren und Apfel bei leichtem, frischem Körper.
Ein Sonderfall: Lambrusco und die Rebsorten-Perspektive
Nicht jeder Schaumwein orientiert sich an Glera oder Chardonnay. Lambrusco, benannt nach der gleichnamigen Rebsorte aus der Emilia-Romagna, bringt einen ganz eigenen Charakter mit: dunkle Fruchtaromen, spürbare Tannine und eine kräftigere Struktur, die man bei hellen Schaumweinen selten findet. Der Lambrusco Grasparossa DOC von Cantina Puianello zeigt dies mit Noten von herber Heidelbeere und Sauerkirsche sowie feinen erdigen Tönen, kombiniert mit glitzernder Perlage und lebendiger, tonischer Struktur. Das Beispiel macht deutlich, dass die Gärmethode nur ein Baustein ist – die Rebsorte selbst prägt den Charakter mindestens ebenso stark.
Aus dem Sortiment
Wer die beiden Gärmethoden direkt vergleichen möchte, findet mit dem Blanc des Noirs von Champagne Virginie T. ein klassisches Beispiel für Flaschengärung und mit dem Millesimato Prosecco Spumante Brut DOC Gold sowie der Cuvée Blanc de Blancs Brut Galaxy von San Simone di Brisotto zwei Vertreter der Tankgärung mit fruchtbetontem Stil. Der Millesimato Prosecco Spumante Doc Rosé zeigt, wie Farbe und Frucht bei Rosé-Schaumwein zusammenspielen. Der Lambrusco Grasparossa DOC von Cantina Puianello schließlich erweitert den Blick über die üblichen Prosecco-Aromen hinaus und zeigt, wie stark die Rebsorte den Charakter eines Schaumweins prägt.
Häufige Fragen
Ist Flaschengärung immer besser als Tankgärung?
Nicht grundsätzlich, sondern anders. Flaschengärung erzeugt meist feinere, dichtere Perlage und komplexere Aromen durch Hefekontakt, Tankgärung erhält die primäre Fruchtigkeit der Traube. Welcher Stil passt, hängt vom gewünschten Trinkerlebnis ab.
Woher kommt die Kohlensäure im Schaumwein?
Sie entsteht bei einer zweiten alkoholischen Gärung, bei der Hefen Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umwandeln. Weil diese Gärung in einem geschlossenen Behälter stattfindet, kann das entstehende Gas nicht entweichen und löst sich im Wein.
Was bedeutet Perlage genau?
Perlage bezeichnet das Spiel der aufsteigenden Kohlensäurebläschen im Glas. Feine, gleichmäßige und langanhaltende Perlage gilt als Qualitätsmerkmal und hängt sowohl von der Gärmethode als auch von der Glasform ab.
Warum schmecken Prosecco und Champagner so unterschiedlich?
Neben der Gärmethode spielen Rebsorte, Klima und Hefeausbau eine Rolle. Prosecco aus der Glera-Traube wird meist tankvergoren und betont Frucht, während traditionell flaschenvergorene Schaumweine oft brotige, nussige Noten durch längeren Hefekontakt zeigen.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


