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Rebsorten 4 Minuten Lesezeit

Grenache: von Rhône-Cuvées bis zum spanischen Garnacha

Kaum eine Rebsorte ist so wandelbar wie Grenache: mal Rückgrat großer Cuvées, mal solo als kraftvoller Rotwein. Ein Blick auf Herkunft, Namen und Stilrichtungen.

Grenache gehört zu den meistgepflanzten Rotweinsorten der Welt, bleibt aber vielen Weintrinkern erstaunlich unbekannt – oft, weil sie unter anderem Namen auftritt oder im Verbund mit anderen Sorten verschwindet. Dabei prägt sie ganze Weinregionen: von den Hügeln der südlichen Rhône über Nordspanien bis nach Sardinien. Wer die Sorte einmal identifiziert hat, erkennt sie in vielen Weinen wieder, die auf den ersten Blick ganz unterschiedlich wirken.

Eine Sorte, viele Namen

Ursprünglich stammt Grenache vermutlich von der Iberischen Halbinsel, wo sie bis heute unter dem Namen Garnacha eine der wichtigsten roten Rebsorten Spaniens ist, besonders in Regionen wie Navarra und Aragonien. In Frankreich heißt sie Grenache Noir und ist im gesamten Süden verbreitet, allen voran im Rhône-Tal. Auf Sardinien wird sie als Cannonau bezeichnet und ergibt dort eigenständige, oft kräftige Rotweine. Diese Namensvielfalt ist kein Zufall, sondern spiegelt die lange Wandergeschichte der Sorte über das westliche Mittelmeer.

Charakter der Traube

Grenache treibt spät aus und reift spät, verträgt Hitze und Trockenheit gut und wird deshalb häufig in warmen, mediterranen Lagen kultiviert. Die Traube liefert von Natur aus viel Zucker und damit Alkohol, dazu reife rote Frucht wie Kirsche und Himbeere. Ihre Farbe ist eher hell bis mittelkräftig, die Tannine sind meist weich und rund statt kantig. Diese Kombination macht Grenache einerseits zugänglich, andererseits in Reinform manchmal etwas locker in der Struktur – ein Umstand, der ihre Rolle in Cuvées erklärt.

Das Rückgrat der Rhône-Cuvées

An der südlichen Rhône ist Grenache die tragende Sorte in den bekannten Cuvées, meist im Verbund mit Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Jede Sorte übernimmt dabei eine Aufgabe: Grenache liefert Frucht und Körper, Syrah bringt Farbe und Würze, Mourvèdre sorgt für Struktur, Cinsault für Leichtigkeit und Frische. Der Bois de Brignon Côtes du Rhône AOP zeigt dieses Zusammenspiel von Syrah, Cinsault und Grenache in klassischer Form, mit dunkler Beerenfrucht und mediterraner Kräuterwürze. Auch in Roséweinen der Region ist Grenache zentral, wie der Côtes du Rhône Rosé AOP aus Cinsault und Grenache Noir zeigt, ebenso wie in der Provence, wo Grenache Noir gemeinsam mit Syrah und Cinsault die Basis für elegante, trockene Rosés aus der Coteaux d'Aix-en-Provence bildet.

Garnacha in Spanien

In Spanien tritt Garnacha oft eigenständiger auf als an der Rhône, sowohl in reinsortigen Weinen als auch in Cuvées mit Tempranillo oder Syrah. In Navarra entstehen daraus kräftige, fruchtbetonte Rotweine mit saftigen Tanninen, wie der Tandem Invoca Tinto zeigt. In Aragonien, wo Garnacha traditionell stark verwurzelt ist, dient die Sorte auch als Basis für Roséweine mit Struktur und Fülle, etwa in Kombination mit Syrah wie beim Aldeya Rosado. Diese Bandbreite zwischen dichtem Rotwein und frischem Rosé zeigt, wie flexibel die Sorte je nach Ausbau und Lage eingesetzt werden kann.

Cannonau, Südafrika und internationale Wege

Auf Sardinien hat sich Cannonau als eigenständiger Stil etabliert, oft kräftig und vollmundig mit reifer dunkler Frucht und einer gewissen Tiefe, wie sie der Cannonau di Sardegna Riserva zeigt. Auch außerhalb Europas hat Grenache Fuß gefasst: In Südafrika entstehen aus alten Rebstöcken, sogenannten Bushvines, Weine mit würziger Komplexität und feiner Tanninstruktur, wie der Spice Route Bushvine Grenache zeigt. In der Toskana wiederum zeigt sich, dass Grenache Noir auch fernab ihrer klassischen Herkunftsgebiete anspruchsvolle, konzentrierte Weine hervorbringen kann, etwa im Grenache "G. Punto".

Aus dem Sortiment

Wer die Bandbreite der Sorte verstehen möchte, findet im Sortiment gute Vergleichspunkte: Der Tandem Invoca Tinto zeigt Garnacha aus Navarra mit saftiger Frucht, während der Bois de Brignon Côtes du Rhône die klassische Rolle von Grenache im Cuvée-Verbund der südlichen Rhône illustriert. Der Cannonau di Sardegna Riserva steht für die sardische Spielart der Sorte, komplex und vollmundig, während der Grenache "G. Punto" aus der Toskana beweist, dass Grenache auch außerhalb ihrer traditionellen Gebiete anspruchsvolle Ergebnisse liefert. Zusammen zeigen diese vier Weine, wie unterschiedlich eine einzige Rebsorte je nach Herkunft und Ausbau ausfallen kann.

Häufige Fragen

Sind Grenache, Garnacha und Cannonau dieselbe Rebsorte?

Ja, es handelt sich um eine einzige Rebsorte, die je nach Land unterschiedlich heißt. In Frankreich Grenache, in Spanien Garnacha, auf Sardinien Cannonau.

Warum wird Grenache oft mit anderen Sorten verschnitten?

Grenache liefert Fülle, Frucht und Alkohol, bringt aber wenig Farbe und Struktur mit. Sorten wie Syrah oder Mourvèdre ergänzen Farbe, Tannin und Würze, sodass die Cuvée insgesamt ausgewogener wird.

Woran erkennt man Grenache im Glas?

Typisch sind reife rote Beerenfrucht, ein spürbarer Alkoholkörper und meist milde, weiche Tannine. Je nach Herkunft und Ausbau kommen würzige, mineralische oder kräuterartige Noten hinzu.

Eignet sich Grenache auch für Rosé?

Ja, die Sorte ist eine der wichtigsten Grundlagen für Roséweine aus Südfrankreich, etwa in der Provence und im Rhône-Tal, da sie Frucht liefert, ohne den Wein schwer zu machen.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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