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Zweigelt: Österreichs meistangebauter Rotwein
Zweigelt prägt wie keine andere Rebsorte den österreichischen Rotwein – vielseitig, saftig und in fast jeder Weinbauregion des Landes zu finden.
Kaum eine Rebsorte steht so unmittelbar für den österreichischen Rotwein wie Zweigelt. Sie wächst von Niederösterreich über das Burgenland bis in kleinere Anbaugebiete und liefert Weine, die vom unkomplizierten Alltagswein bis zum ambitionierten Flaschenreifer reichen. Wer verstehen will, warum diese Sorte so verbreitet ist, muss einen Blick auf ihre Herkunft, ihre Anbaueigenschaften und die stilistische Bandbreite werfen, die sie ermöglicht.
Herkunft: eine Züchtung des 20. Jahrhunderts
Zweigelt ist keine alte, historisch gewachsene Sorte, sondern eine gezielte Kreuzung. 1922 kreuzte der österreichische Rebenzüchter Fritz Zweigelt die Sorten St. Laurent und Blaufränkisch. Ziel war eine Rebe, die die Eleganz und Fruchtigkeit von St. Laurent mit der Struktur und Widerstandsfähigkeit von Blaufränkisch verbindet. Der Erfolg dieser Züchtung zeigt sich bis heute: Zweigelt gilt als die meistangebaute Rotweinsorte Österreichs und hat sich in praktisally allen Weinbauregionen des Landes etabliert, von Niederösterreich über das Burgenland bis in die Steiermark.
Anbaueigenschaften und typischer Charakter
Ein wesentlicher Grund für die Verbreitung liegt in der Anpassungsfähigkeit der Sorte. Zweigelt reift vergleichsweise früh, ist relativ unempfindlich gegenüber Fäulnis und kommt mit unterschiedlichen Böden und klimatischen Bedingungen zurecht. Das macht sie für Winzer in verschiedenen Lagen interessant, ohne dass die Qualität zwangsläufig leidet.
Geschmacklich zeigt Zweigelt meist ein Spektrum aus Kirsche, roten und dunklen Beeren, oft mit einer würzigen Note. Die Tannine sind in der Regel weich bis moderat, die Säure lebendig, was den Weinen eine gewisse Frische und Trinkigkeit verleiht. Diese Eigenschaften machen die Sorte zugänglich, ohne sie auf einen einzigen Stil festzulegen.
Stilvielfalt: von leicht bis konzentriert
Die Bandbreite, die Zweigelt zulässt, ist beachtlich. Einerseits entstehen aus ihr unkomplizierte, fruchtbetonte Weine mit mittlerem Körper, die schon jung Freude bereiten. Andererseits erlaubt die Sorte auch dichtere, konzentriertere Ausbaustile, etwa durch reduzierte Erträge, längere Maischestandzeiten oder den Ausbau im Holzfass. Solche Weine zeigen dann mehr Struktur, komplexere Aromatik und ein höheres Reifepotenzial.
Zweigelt eignet sich zudem gut für Roséweine. Die moderate Gerbstoffstruktur und die ausgeprägte Fruchtigkeit ergeben Roséstile, die von roten Beeren und feinen Blütennoten geprägt sind und am Gaumen frisch und lebendig wirken. Auch als Bestandteil von Cuvées, etwa gemeinsam mit Blaufränkisch oder internationalen Sorten wie Pinot Noir, kommt Zweigelt regelmäßig zum Einsatz und trägt dort Frucht und Zugänglichkeit bei.
Zweigelt außerhalb Österreichs
Auch wenn der Schwerpunkt eindeutig in Österreich liegt, ist Zweigelt nicht ausschließlich dort zu finden. In Südtirol etwa wird die Sorte sowohl sortenrein als auch in Verbindung mit Pinot Noir ausgebaut. Solche Cuvées verbinden die Frucht und Struktur des Zweigelt mit der Eleganz und Säure, die Pinot Noir mitbringt, und zeigen, wie flexibel sich die Sorte in unterschiedliche stilistische Konzepte einfügen lässt.
Aus dem Sortiment
Der Hof Zweigelt vom Weinhof Anton Waldschütz aus Niederösterreich zeigt die Sorte in einer klassischen, saftigen Ausprägung mit Kirsch- und Beerenaromen sowie weicher Tanninstruktur. Wie vielseitig Zweigelt in der Cuvée wirken kann, belegt die Pannobile von Judith Beck aus dem Burgenland, in der die Sorte gemeinsam mit Blaufränkisch für Frucht und Wärme sorgt. Der Zweigelt „Roan“ vom Bessererhof aus Südtirol demonstriert einen dichteren, konzentrierteren Stil mit reicher Frucht und Tanninstruktur. Für einen unkomplizierten, frischen Zugang zur Sorte eignet sich der Hof Rosé desselben Weinhofs Anton Waldschütz, der Zweigelt in seiner leichteren, fruchtbetonten Seite zeigt.
Häufige Fragen
Was ist Zweigelt für eine Rebsorte?
Zweigelt ist eine Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch, die 1922 in Österreich gezüchtet wurde. Sie zählt heute zu den meistangebauten Rotweinsorten des Landes und ist in nahezu allen österreichischen Weinbauregionen vertreten.
Wie schmeckt Zweigelt typischerweise?
Zweigelt zeigt meist Aromen von Kirsche und roten bis dunklen Beeren, eine moderate bis weiche Tanninstruktur und lebendige Säure. Je nach Ausbau reicht das Spektrum von leichten, fruchtbetonten Weinen bis zu dichteren, konzentrierteren Stilen.
Eignet sich Zweigelt auch für Rosé?
Ja, die Sorte bringt durch ihre Frucht und moderate Gerbstoffe gute Voraussetzungen für Roséweine mit. Solche Weine zeigen häufig Aromen von roten Beeren und wirken am Gaumen frisch und unkompliziert.
Wird Zweigelt nur in Österreich angebaut?
Der Ursprung und Schwerpunkt liegt in Österreich, doch die Sorte findet sich auch in anderen Ländern, etwa in Südtirol, wo sie teils sortenrein, teils in Cuvées mit Pinot Noir ausgebaut wird.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


