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Priorat: Schieferboden und alte Garnacha-Reben in Katalonien

In einem abgelegenen Talkessel westlich von Tarragona entstehen aus kargem Schieferboden und uralten Rebstöcken einige der konzentriertesten Rotweine Spaniens.

Rund hundert Kilometer westlich von Barcelona liegt ein kleiner, kesselförmiger Landstrich, der in der internationalen Weinwelt einen Ruf weit über seine Größe hinaus genießt. Das Priorat, katalanisch Priorat, umfasst nur wenige tausend Hektar Rebfläche, doch seine Weine zählen zu den gesuchtesten Rotweinen Spaniens. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Faktoren: ein außergewöhnlicher Schieferboden und Rebstöcke, die teils viele Jahrzehnte alt sind.

Llicorella: Der Schiefer, der alles prägt

Der Boden des Priorat trägt einen eigenen Namen: Llicorella. Es handelt sich um einen dunklen, glimmerhaltigen Schiefer, der in dünnen, oft steil aufgestellten Schichten ansteht. Dieser Fels speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts wieder ab, was den Reben ein ausgeglicheneres Mikroklima verschafft, als man in dieser südlichen Breite erwarten würde. Zugleich ist der Boden extrem karg und wasserdurchlässig. Die Reben müssen ihre Wurzeln viele Meter tief in den zerklüfteten Fels treiben, um an Feuchtigkeit zu gelangen. Diese natürliche Stresssituation begrenzt den Ertrag pro Stock erheblich, konzentriert aber die Inhaltsstoffe in den verbleibenden Trauben. Wer je einen Weinberg im Priorat gesehen hat, erinnert sich an die schroffen, oft terrassierten Hänge, auf denen kaum etwas außer Reben und vereinzelten Olivenbäumen wächst.

Alte Garnacha und Cariñena als Rückgrat

Die traditionellen Rebsorten des Priorat sind Garnacha, international auch als Grenache bekannt, und Cariñena, die in Frankreich Carignan heißt. Beide Sorten gedeihen auf kargem, trockenem Boden erstaunlich gut und liefern bei niedrigen Erträgen kräftige, tanninreiche Weine mit dunkler Frucht. Viele Rebanlagen im Priorat sind ungewöhnlich alt, manche Stöcke haben mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel. Alte Reben tragen naturgemäß weniger, dafür aber Trauben mit besonders dichtem Extrakt und komplexem Aromenspektrum. Neben den beiden autochthonen Sorten sind heute auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah zugelassen und werden von zahlreichen Betrieben zur Abrundung der Cuvées eingesetzt.

Ein wiederentdecktes Anbaugebiet

Der Name Priorat geht auf ein Kartäuserkloster zurück, das im Mittelalter in der Region ansässig war und den Weinbau in der schwierigen Steillage etablierte. Über Jahrhunderte blieb das Gebiet eine Randregion, geprägt von harter Arbeit, geringen Erträgen und Abwanderung. Erst ab den 1980er- und 1990er-Jahren begann eine kleine Gruppe von Winzern, das Potenzial der alten Rebbestände neu zu erkennen und mit moderner Kellertechnik zu verbinden. Diese Aufbruchsphase verhalf dem Priorat zu internationaler Aufmerksamkeit und führte schließlich zur höchsten spanischen Klassifikationsstufe, die neben Rioja nur wenigen Regionen zusteht. Heute ist das Gebiet klein geblieben, die Weinberge liegen verstreut in steilen Terrassen um mehrere Dörfer, und viele Betriebe arbeiten weiterhin in Handarbeit, weil Maschineneinsatz an den Hängen kaum möglich ist.

Klima und Stil der Weine

Das Klima ist mediterran, geprägt von heißen, trockenen Sommern und milden Wintern. Die Höhenlage vieler Weinberge sowie nächtliche Abkühlung durch den Schiefer mildern die Hitze etwas ab, ändern aber nichts daran, dass die Trauben hier zuverlässig voll ausreifen. Das Ergebnis sind Rotweine von dunkler Farbe, dichter Struktur und kräftigem Tanningerüst, häufig mit Noten von Schwarzkirsche, Lakritz und mineralischen, fast rauchigen Untertönen, die viele Kenner auf den Schieferboden zurückführen. Diese Stilistik unterscheidet das Priorat deutlich von leichteren, fruchtbetonteren Garnacha-Weinen aus anderen Teilen Spaniens.

Aus dem Sortiment

Wer sich dem Stil des Priorat annähern möchte, findet mit der Spice Route Bushvine Grenache aus Südafrika einen Grenache von alten Buschreben, der die Sortenmerkmale würziger, konzentrierter Weine aus altem Rebbestand zeigt. Der Barbera d'Alba von Costa di Bussia und der Langhe Nebbiolo von Marco Porello stammen zwar aus dem Piemont, zeigen aber ebenfalls, wie kräftige, tanninbetonte Rotweine aus traditionsreichen Steillagen entstehen können. Der Primitivo von Tenuta Ulisse wiederum steht für die dichte, dunkle Fruchtfülle, wie sie auch für Priorat-Rotweine typisch ist, auch wenn Primitivo botanisch der Sorte Zinfandel entspricht und nicht mit Garnacha verwandt ist.

Häufige Fragen

Was macht den Boden im Priorat so besonders?

Der Untergrund besteht großteils aus dunklem, glimmerhaltigem Schiefer, den man in der Region Llicorella nennt. Er speichert Wärme, gibt Wasser nur langsam ab und zwingt die Reben, tief zu wurzeln, was zu geringen Erträgen und konzentrierten Trauben führt.

Welche Rebsorten prägen die Weine des Priorat?

Die wichtigsten Sorten sind Garnacha (Grenache) und Cariñena, häufig ergänzt durch internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon oder Syrah. Viele Garnacha-Stöcke sind alt und wurzeln tief in den steinigen Hang.

Worin unterscheidet sich Priorat von der benachbarten Region Montsant?

Montsant umschließt das Priorat geografisch fast vollständig und teilt ähnliche Rebsorten und ein mediterranes Klima, verfügt aber über vielfältigere Böden, unter anderem Kalk und Ton neben Schiefer. Priorat gilt als die kleinere, strenger reglementierte und meist teurere der beiden Herkunftsbezeichnungen.

Warum sind Priorat-Weine oft kraftvoll und alkoholreich?

Die Steillagen sind stark der Sonne ausgesetzt, die Erträge durch den kargen Boden ohnehin gering, und viele Betriebe ernten spät, um volle phenolische Reife zu erzielen. Das ergibt Trauben mit hohem Zuckergehalt und entsprechend kräftige, dichte Weine.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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