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Meritage und Co.: Bordeaux-Blends außerhalb Frankreichs
Wenn Winzer in Kalifornien, Südafrika oder Australien Cabernet Sauvignon mit Merlot verschneiden, entstehen Weine im Bordeaux-Stil unter neuen Namen. Was hinter dem Begriff Meritage steckt und wie sich diese Blends von ihrem französischen Vorbild unterscheiden
Ein Wein aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, gewachsen in Kalifornien oder Südafrika, darf sich nicht Bordeaux nennen. Diese Bezeichnung ist als geografische Herkunftsangabe geschützt und bleibt der französischen Region vorbehalten. Trotzdem folgen viele Erzeuger außerhalb Frankreichs genau diesem Vorbild: Sie verschneiden dieselben Rebsorten nach demselben Grundgedanken. Für diese Weine haben sich eigene Begriffe etabliert, von denen Meritage der bekannteste ist.
Woher der Begriff Meritage kommt
Der Name entstand in den 1980er-Jahren in Kalifornien, als eine Gruppe von Winzern nach einer Bezeichnung für ihre Bordeaux-Verschnitte suchte, die weder irreführend noch beliebig wirken sollte. Das Wort ist ein Kunstbegriff aus „merit" und „heritage" und wird nicht wie das französische Wort für Erbe ausgesprochen, sondern wie „heritage" auf Englisch betont. Die Meritage Alliance verwaltet den Begriff als eingetragene Marke. Erzeuger, die ihn nutzen möchten, müssen der Organisation beitreten und bestimmte Vorgaben erfüllen, etwa dass keine der klassischen Bordeaux-Sorten mehr als 90 Prozent des Verschnitts ausmachen darf.
Die Rebsorten hinter dem Stil
Bei Rotweinen im Bordeaux-Stil bilden Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc das Grundgerüst. Cabernet Sauvignon bringt Tannin und Struktur, Merlot steuert Fülle und weichere Frucht bei, Cabernet Franc ergänzt oft mit würzigen, teils grünen Noten. Petit Verdot und Malbec kommen meist nur in kleinen Anteilen zum Einsatz und verstärken Farbe und Würze. Auch weiße Bordeaux-Blends aus Sauvignon Blanc und Sémillon fallen unter denselben Gedanken, sind aber seltener anzutreffen als die roten Varianten.
Das Prinzip hinter jedem dieser Weine ist die Assemblage: Statt eine einzelne Rebsorte auszubauen, komponieren Kellermeister aus mehreren Partien einen Wein, der ausgewogener ist als jede Sorte für sich allein. Cabernet Sauvignon liefert das Rückgrat, Merlot rundet ab, weitere Sorten setzen Akzente. Dieses Denken in Bausteinen statt in einzelnen Rebsorten prägt den gesamten Stil.
Wie sich der Stil außerhalb Frankreichs verändert
Klima und Bodenbeschaffenheit sorgen dafür, dass Bordeaux-Blends aus anderen Ländern selten wie ihr französisches Vorbild schmecken. In wärmeren Regionen reift die Frucht intensiver aus, die Tannine wirken oft geschmeidiger, der Alkoholgehalt liegt häufig höher als bei vielen klassischen Bordeaux-Weinen aus kühleren Jahren. Der Holzausbau spielt ebenfalls eine Rolle: Während in Bordeaux traditionell zurückhaltender gearbeitet wird, setzen manche Erzeuger außerhalb Frankreichs auf präsentere Vanille- und Röstnoten aus dem Barrique.
Diese Unterschiede sind kein Qualitätsurteil, sondern Ausdruck von Terroir und Winzerhandschrift. Ein Meritage aus Kalifornien folgt derselben Verschnittlogik wie ein Bordeaux vom rechten oder linken Ufer, bringt aber durch Sonneneinstrahlung, Bodentyp und Ausbaustil einen eigenständigen Charakter mit.
Nicht nur Meritage: andere Länder, andere Namen
Neben Meritage gibt es weitere regionale Lösungen für dasselbe Grundprinzip. In Australien etwa hat sich teilweise die Bezeichnung „Cabernet Blend" durchgesetzt, ohne markenrechtlichen Anspruch. In Südafrika verwenden manche Erzeuger schlicht die Rebsortenkombination auf dem Etikett, ohne einen übergeordneten Stilbegriff. Auch in Chile, Argentinien und Italien finden sich Bordeaux-Verschnitte, die dort oft unter der Sammelbezeichnung „Super-Weine" oder schlicht mit der Nennung der Rebsorten vermarktet werden. Gemeinsam ist all diesen Weinen die Idee, mehrere Bordeaux-Sorten so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig ergänzen, auch wenn kein einheitlicher globaler Name existiert.
Aus dem Sortiment
Der Ironstone Vineyards Reserve Estate Grown Meritage aus Kalifornien zeigt beispielhaft, wie der Stil außerhalb Frankreichs interpretiert wird: Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ergeben hier einen vollmundigen Blend mit reifer Beerenfrucht und Vanillenoten aus dem Fassausbau. Der Domini DOC von José Maria da Fonseca aus dem Douro folgt einem verwandten Gedanken, allerdings mit portugiesischen Rebsorten wie Touriga Nacional und Tinta Roriz statt der klassischen Bordeaux-Palette, und zeigt damit, wie das Assemblage-Prinzip auch mit regionalen Sorten funktioniert. Wer sich für Verschnitte mit würzigem Charakter interessiert, findet im Spice Route Bushvine Grenache aus Südafrika eine weitere Facette önologischer Komposition, wenngleich auf Basis der Rhône-Sorte Grenache statt Bordeaux-Rebsorten.
Häufige Fragen
Ist Meritage ein geschütztes Wort?
Ja, in den USA ist Meritage ein Markenname, den die Meritage Alliance verwaltet. Erzeuger müssen ihm beitreten und bestimmte Regeln zur Rebsortenzusammensetzung einhalten, um den Begriff auf dem Etikett zu verwenden.
Welche Rebsorten dürfen in einen Meritage?
Erlaubt sind die klassischen Bordeaux-Sorten: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot, Malbec und Carmenère bei den Rotweinen, Sauvignon Blanc und Sémillon bei den Weißweinen. Keine einzelne Sorte darf mehr als 90 Prozent ausmachen.
Warum heißt es nicht einfach Bordeaux-Blend?
Die Bezeichnung Bordeaux ist als Herkunftsangabe geschützt und darf nur für Weine aus dieser französischen Region verwendet werden. Erzeuger anderer Länder brauchen daher eigene Begriffe wie Meritage, auch wenn sie mit denselben Rebsorten arbeiten.
Schmecken Meritage-Weine wie Bordeaux?
Die Grundstruktur aus Frucht, Tannin und Säure ähnelt sich, doch Klima und Ausbau prägen den Stil deutlich. Wärmere Anbaugebiete bringen oft reifere Frucht und mehr Kraft, während klassischer Bordeaux häufig kühler und straffer wirkt.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


