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Weinkunde 4 Minuten Lesezeit

Was ist ein Meritage? Bordeaux-Blends und ihre internationalen Namen

Bordeaux-Rebsorten wachsen längst auf der ganzen Welt. Der Begriff Meritage zeigt, wie Winzer außerhalb Frankreichs den klassischen Verschnitt benennen und was das Etikett tatsächlich verspricht.

Wer auf einer Weinkarte oder einem Etikett aus Kalifornien, Australien oder Südafrika das Wort „Meritage“ liest, hält meist einen Rotwein aus den klassischen Bordeaux-Sorten in der Hand, ohne dass die Rebsorten selbst auf dem Etikett stehen. Der Begriff ist kein Zufallsprodukt der Marketingabteilung, sondern das Ergebnis eines ganz konkreten Problems: Wie nennt man außerhalb Frankreichs einen Verschnitt, der stilistisch an Bordeaux erinnert, ohne die geschützte französische Herkunftsbezeichnung zu verletzen?

Der Bordeaux-Verschnitt als Vorbild

Bordeaux-Weine sind traditionell Cuvées, keine reinsortigen Weine. Auf der linken Ufer der Garonne, etwa im Médoc oder in Pauillac, dominiert meist Cabernet Sauvignon, ergänzt durch Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot. Auf dem rechten Ufer, in Regionen wie Saint-Émilion, führt häufig Merlot, oft zusammen mit Cabernet Franc. Diese Kombination aus mehreren Sorten hat einen praktischen Hintergrund: Jede Sorte reift zu einer etwas anderen Zeit, verträgt unterschiedliche Böden unterschiedlich gut und bringt eigene Stärken mit. Cabernet Sauvignon liefert Struktur und Tannin, Merlot Fülle und Weichheit, Petit Verdot Farbe und Würze. Der Winzer verschneidet die Fässer nach der Ernte so, dass der Gesamteindruck ausgewogener wird, als es eine einzelne Sorte leisten könnte.

Warum der Name Meritage entstand

Als Winzer in Kalifornien in den 1980er-Jahren begannen, gezielt Bordeaux-Sorten zu verschneiden, fehlte ihnen ein Begriff dafür. „Bordeaux-Blend“ zu schreiben, wäre irreführend gewesen, da Bordeaux eine geschützte geografische Angabe ist. Gleichzeitig wollten die Erzeuger sich von einfachen, reinsortig deklarierten Massenweinen abgrenzen. Aus einem Wettbewerb ging der Kunstbegriff „Meritage“ hervor, eine Zusammensetzung aus „merit“ und „heritage“. Seither wird der Name von einer Winzervereinigung verwaltet und darf nur von Mitgliedsbetrieben verwendet werden, deren Weine bestimmte Vorgaben zur Rebsortenmischung erfüllen. Wichtig ist dabei vor allem, dass keine einzelne Sorte den Wein allein dominiert, sondern ein echter Verschnitt aus mindestens zwei der zugelassenen Bordeaux-Sorten entsteht.

Internationale Varianten ohne Markennamen

Nicht jeder Erzeuger außerhalb Frankreichs, der Bordeaux-Sorten verschneidet, nennt seinen Wein Meritage. Viele verzichten ganz auf einen Sammelbegriff und listen stattdessen die Rebsorten direkt auf dem Etikett, oder sie verwenden schlicht den Namen des Guts. In Italien haben sich für ähnliche Verschnitte mit internationalen Sorten Begriffe wie „Supertuscan“ etabliert, wobei dort oft Sangiovese mit Cabernet Sauvignon kombiniert wird, was streng genommen ein anderes Konzept ist. Entscheidend bleibt: Der Begriff Meritage beschreibt eine Stilrichtung, nicht eine Herkunft. Ein Wein kann aus Bordeaux-Sorten bestehen, ohne dass „Meritage“ draufsteht, und umgekehrt bürgt das Wort allein nicht für eine bestimmte Qualitätsstufe.

Was das für den französischen Ursprung bedeutet

In Bordeaux selbst braucht kein Winzer einen Sammelbegriff für seinen Verschnitt, weil die Herkunftsbezeichnung selbst schon die Regeln vorgibt: Welche Sorten erlaubt sind, hängt von der jeweiligen Appellation ab, sei es Pauillac, Margaux, Saint-Émilion oder die weiter gefasste Bezeichnung Haut-Médoc. Der Käufer erkennt am Ortsnamen bereits, welcher Sortenspiegel wahrscheinlich ist, auch wenn der genaue Verschnitt von Jahrgang zu Jahrgang und von Château zu Château variiert. Diese über Jahrhunderte gewachsene Verbindung von Ort und Stil ist es auch, die andere Weinregionen der Welt mit dem Begriff Meritage nachzubilden versuchen, ohne dabei den geschützten Namen Bordeaux zu verwenden.

Aus dem Sortiment

Wer den klassischen Bordeaux-Stil, der als Vorbild für Meritage-Weine dient, direkt an der Quelle erleben möchte, findet im Sortiment mehrere Beispiele aus verschiedenen Appellationen. Der Château le Coteau Margaux AOC verschneidet Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Cabernet Franc zu einer dichten, kraftvollen Cuvée mit Cassis- und Brombeeraromen. Der Château Sénéjac aus dem Haut-Médoc kombiniert Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc und zeigt mit seidigen Tanninen und feinen Toast-Aromen den Einfluss des Holzausbaus. Der Château Mille Roses aus dem Haut-Médoc, ein Bio-Wein aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot, steht für einen mittelkräftigen, ausgewogenen Stil. Für einen unkomplizierten Einstieg in den sortenreinen Merlot als Basis vieler Bordeaux-Verschnitte eignet sich der Château Bel Air La Perrière aus der AOC Bordeaux.

Häufige Fragen

Ist Meritage ein geschützter Begriff?

Ja, Meritage ist in den USA ein Markenname, der von einer Vereinigung von Winzern verwaltet wird. Nur Mitglieder dürfen ihn auf dem Etikett verwenden, wenn ihr Wein bestimmte Vorgaben zu den erlaubten Rebsorten erfüllt.

Welche Rebsorten dürfen in einem Meritage stecken?

Erlaubt sind die klassischen Bordeaux-Sorten, allen voran Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot und Malbec bei den Rotweinen sowie Sauvignon Blanc und Sémillon bei den Weißweinen. Keine Sorte darf allein den Wein dominieren, wie es bei einem reinsortigen Wein der Fall wäre.

Warum steht auf Bordeaux-Flaschen selbst nie Meritage?

In Frankreich ist der Verschnitt aus diesen Sorten seit Jahrhunderten die Norm und über die Herkunftsbezeichnung, etwa Margaux oder Haut-Médoc, geregelt. Der Begriff Meritage wurde speziell für Erzeuger außerhalb Bordeauxs geschaffen, die sich stilistisch daran orientieren.

Unterscheidet sich ein Meritage geschmacklich von einem Bordeaux?

Das hängt stark vom Anbaugebiet ab. Klima, Boden und Ausbau prägen den Stil oft stärker als die Rebsortenmischung selbst, sodass sich ein Meritage aus Kalifornien oder anderen Regionen deutlich von einem französischen Bordeaux unterscheiden kann, auch wenn ähnliche Sorten verwendet werden.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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