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Venetien: von Prosecco über Soave bis Amarone
Kaum eine italienische Region deckt eine solche Bandbreite ab wie Venetien: spritziger Schaumwein, mineralischer Weißwein und kraftvolle Rotweine aus getrockneten Trauben.
Zwischen den Dolomiten im Norden und der Adria im Osten liegt eine Weinregion, die kaum einheitlicher sein könnte: Venetien. Hier wächst der meistgetrunkene Schaumwein der Welt neben mineralischen Weißweinen und schweren, aus getrockneten Trauben gekelterten Rotweinen. Wer verstehen will, wie Prosecco, Soave und Amarone in derselben Region entstehen, muss einen Blick auf die geografische Spannweite Venetiens werfen.
Eine Region mit drei Gesichtern
Venetien lässt sich grob in drei Zonen einteilen. Im Norden und Nordosten, rund um die Städte Conegliano und Valdobbiadene, prägen Hügel und ein kühleres, von den Voralpen beeinflusstes Klima den Anbau der Rebsorte Glera – die Grundlage für Prosecco. Weiter westlich, um Verona und den Gardasee, sorgen mildere Temperaturen und eine Mischung aus vulkanischen und kalkhaltigen Böden für die Bedingungen, unter denen Soave und Valpolicella entstehen. Im Süden schließlich, in Richtung Poebene, dominiert flaches, fruchtbares Land, auf dem eher unkomplizierte Basisweine wachsen. Diese Dreiteilung erklärt, warum sich Winzer in Venetien nicht auf einen Stil festlegen lassen, sondern ein ganzes Spektrum bedienen.
Prosecco: Leichtigkeit aus den Hügeln
Prosecco wird überwiegend aus der Rebsorte Glera gekeltert und meist im Tankgärverfahren hergestellt, das die frische, fruchtige Aromatik der Traube bewahrt. Die Rebstöcke stehen auf Hügeln mit unterschiedlichen Böden aus Mergel, Sandstein und Kalk, was für Frische und eine feine Perlage sorgt. Je nach Ausbau reicht die Stilrichtung von knackig-trocken bis zu Varianten mit spürbarer Restsüße, wie sie etwa als Dry-Bezeichnung auf dem Etikett stehen. Ein Beispiel dafür ist der Prosecco Dry DOC Gino von V8+, ein Rosé aus Glera mit feiner Perlage, der die fruchtig-frische Seite dieser Stilrichtung zeigt.
Soave: Vulkanische Böden und die Garganega-Traube
Rund um die gleichnamige Stadt östlich von Verona liegt das Anbaugebiet Soave. Die Leitrebsorte heißt Garganega, häufig ergänzt durch kleinere Anteile anderer Sorten. Die Böden bestehen teils aus vulkanischem Basalt, teils aus Kalkstein – eine Kombination, die den Weinen ihre charakteristische Mineralität verleiht. Neben trockenen, alltagstauglichen Ausprägungen bringt Soave auch konzentrierte Süßweine hervor: Für den Recioto di Soave werden die Garganega-Trauben nach der Lese getrocknet, wodurch sich Zucker und Aromen verdichten. Der Recioto di Soave „Le Colombare“ von Pieropan zeigt diesen Stil mit Noten von kandierten Früchten, Honig und getrockneten Aprikosen, getragen von der lebendigen Säure der Garganega-Traube.
Valpolicella und Amarone: Die Kraft der getrockneten Traube
Östlich des Gardasees, in den Hügeln der Valpolicella, wachsen die Rotweinsorten, die Venetien international bekannt gemacht haben: Corvina, Rondinella und je nach Erzeuger weitere Sorten wie Corvinone oder Oseleta. Aus dieser Traubenbasis entstehen ganz unterschiedliche Weinstile. Die einfache Valpolicella-Version ist leicht und fruchtbetont, gedacht für den unkomplizierten Genuss. Wird der Wein als Superiore ausgebaut, durchläuft er eine längere Reifezeit und gewinnt an Struktur und Komplexität – wie der Valpolicella DOC Superiore Blacklabel von Pasqua, der Aromen von Sauerkirschen, roten Johannisbeeren und einem Hauch Veilchen zeigt. Die konzentrierteste Form ist der Amarone: Hier werden die Trauben nach der Ernte mehrere Monate auf Horden oder in belüfteten Räumen getrocknet, ein Verfahren, das als Appassimento bezeichnet wird. Der Wasserverlust konzentriert Zucker, Säure und Extraktstoffe, sodass nach der Vergärung ein kräftiger, meist trockener Rotwein mit hohem Alkoholgehalt entsteht. Auch außerhalb der klassischen Amarone-Zone zeigt sich die Handschrift der Corvina-Traube, etwa im Corvina Rosso Veronese von Zeni, der mit frischer Frucht und würzigen Noten die Bandbreite dieser Rebsorte veranschaulicht.
Aus dem Sortiment
Die Vielfalt Venetiens lässt sich anhand weniger Flaschen nachvollziehen: Der Prosecco Dry DOC Gino von V8+ steht für die frische, spritzige Seite der Region, während der Recioto di Soave „Le Colombare“ von Pieropan die Süßwein-Tradition rund um die Garganega-Traube zeigt. Mit dem Valpolicella DOC Superiore Blacklabel von Pasqua und dem Corvina Rosso Veronese von Zeni lässt sich zudem nachvollziehen, wie unterschiedlich Corvina-basierte Rotweine je nach Ausbau ausfallen können. Zusammen zeichnen diese vier Weine ein kompaktes Bild der stilistischen Bandbreite Venetiens.
Häufige Fragen
Warum gibt es in Venetien so unterschiedliche Weinstile?
Die Region reicht von den Alpenausläufern im Norden bis zur Poebene im Süden und umfasst dazu die Poebene bei Verona, das Hügelland um Soave und die Prosecco-Zone im Nordosten. Diese Vielfalt an Höhenlagen, Böden und Klimazonen erlaubt sehr unterschiedliche Traubensorten und Ausbaustile in ein und derselben Region.
Was unterscheidet Amarone von einem gewöhnlichen Rotwein?
Für Amarone werden die Trauben nach der Lese mehrere Monate getrocknet, wodurch sich Zucker und Extrakt konzentrieren. Das Ergebnis ist ein kräftiger, meist trockener Rotwein mit hohem Alkoholgehalt und dichter Struktur.
Ist Soave immer ein leichter, einfacher Weißwein?
Nein. Die Bandbreite reicht von unkomplizierten, frischen Weinen bis zu konzentrierten, lagerfähigen Ausprägungen, etwa wenn die Garganega-Trauben für einen Recioto getrocknet werden. Die Böden aus vulkanischem und kalkhaltigem Gestein prägen dabei die mineralische Seite der Weine.
Woraus besteht ein typischer Valpolicella?
Die Basis bilden meist die Rebsorten Corvina, Rondinella und je nach Erzeuger weitere lokale Sorten wie Corvinone oder Oseleta. Je nach Ausbaustufe reicht die Bandbreite vom leichten Alltagswein bis zum konzentrierten Superiore oder Amarone.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


