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Toskana: Chianti, Bolgheri, Montalcino – die wichtigsten Weinlandschaften im Überblick
Die Toskana ist kein einheitliches Weinbaugebiet, sondern ein Nebeneinander sehr unterschiedlicher Landschaften. Ein Überblick über Chianti, Bolgheri und Montalcino zeigt, wie Böden und Klima den Stil bestimmen.
Wer „Toskana“ hört, denkt oft an ein einziges Bild: sanfte Hügel, Zypressen, ein Glas Rotwein zum Sonnenuntergang. Tatsächlich verbirgt sich hinter diesem Namen eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Weinlandschaften, die sich in Boden, Klima und Stil deutlich unterscheiden. Chianti, Bolgheri und Montalcino zeigen exemplarisch, wie groß diese Spannbreite ist – von den kalkhaltigen Hügeln im Landesinneren bis zur warmen Küstenebene am Tyrrhenischen Meer.
Chianti: das große Herz der Toskana
Chianti ist keine einzelne Lage, sondern ein weitläufiges Gebiet zwischen Florenz und Siena mit mehreren Unterzonen. Die Böden bestehen überwiegend aus Kalkstein, Ton und dem für die Region typischen verwitterten Schiefer- und Sandsteingemisch, das lokal als Galestro bekannt ist. Diese Böden speichern Wasser nur begrenzt, zwingen die Reben zu tiefem Wurzelwachstum und tragen zur Struktur der Weine bei. Leitrebsorte ist Sangiovese, meist ergänzt durch Colorino oder Canaiolo, die Farbe und Fülle beisteuern.
Innerhalb des großen Chianti-Gebiets gibt es Unterzonen mit eigenem Charakter, etwa Chianti Rufina im Nordosten, das durch höhere Lagen und kühlere Nächte eine straffere Säurestruktur erhält. Ein Beispiel dafür ist der Chianti Rufina Basciano DOCG von Renzo Masi, der die typische Kombination aus Sangiovese und Canaiolo zeigt. Im südlicheren und wärmeren Teil des Gebiets, etwa in der Sangiovese-Cuvée aus Sangiovese und Colorino, fällt der Wein tendenziell zugänglicher und fruchtbetonter aus – ein Stil, den Weine wie der Chianti „Renzo M.“ DOCG in der traditionellen Fiasco-Flasche verkörpern.
Klassisch versus einfach: die Rolle des Chianti Classico
Innerhalb des großen Chianti-Gebiets nimmt Chianti Classico eine Sonderstellung ein. Es bezeichnet den historischen Kernbereich zwischen Florenz und Siena, in dem der Weinbau bereits seit dem Mittelalter dokumentiert ist. Für diese Zone gelten strengere Anbau- und Ausbauvorschriften als für den übrigen Chianti, etwa niedrigere Erträge und längere Mindestreifezeiten. Das schwarze Hahn-Siegel (Gallo Nero) auf der Flasche kennzeichnet Weine aus diesem Gebiet und unterscheidet sie von Chianti aus den umliegenden, größeren Anbauflächen. Wer die Unterschiede zwischen einem einfachen Chianti und einem Chianti Classico verstehen will, sollte also zunächst auf die geografische Bezeichnung achten, nicht allein auf den Namen „Chianti“.
Bolgheri: die Küste und der Bruch mit der Tradition
Ganz anders liegt Bolgheri an der toskanischen Küste, südlich von Livorno. Hier herrscht ein deutlich milderes, meeresnahes Klima mit geringeren Temperaturschwankungen als im hügeligen Landesinneren. Die Böden sind heterogener und reichen von kiesigen bis zu lehmigen Anteilen, je nach Nähe zur Küste. Bolgheri wurde erst in den 1970er-Jahren als Weinregion bekannt, als hier erstmals in größerem Stil internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot angebaut wurden – ein bewusster Bruch mit der Sangiovese-Tradition der übrigen Toskana. Diese sogenannten „Supertoskaner“ zeigten, dass toskanischer Boden auch internationalen Rebsorten Struktur und Reifepotenzial verleihen kann, ohne den Bezug zur Herkunft zu verlieren. Cuvées wie der Poggio delle Faine Rosso IGT, der Sangiovese mit Cabernet Sauvignon verbindet, stehen für diese Idee, auch wenn sie außerhalb von Bolgheri selbst produziert werden – sie verdeutlichen aber das Prinzip der Kombination aus toskanischer und internationaler Rebsorte.
Montalcino: Konzentration durch Höhe und Trockenheit
Südlich von Siena erhebt sich der isolierte Hügel von Montalcino, der ein eigenes Mikroklima erzeugt. Die Region liegt geschützter und trockener als das übrige Chianti-Gebiet, mit mehr Sonnenstunden und größerer Distanz zu feuchten Luftmassen. Diese Bedingungen erlauben es der hier als Sangiovese Grosso bekannten Spielart der Rebsorte, langsamer und mit dickerer Beerenhaut zu reifen. Das Ergebnis sind Weine mit dichterer Struktur, mehr Tanningerüst und höherem Lagerpotenzial als der klassische Chianti. Brunello di Montalcino, der ausschließlich aus Sangiovese besteht, muss laut Regelwerk mehrere Jahre reifen, bevor er in den Handel kommt, ein Teil davon im Holzfass. Der Brunello di Montalcino von Tenuta Collosorbo, biologisch erzeugt, oder die Riserva-Ausführung Poggio al Vento von Col d’Orcia zeigen, wie unterschiedlich weit sich dieser Stil innerhalb der Denominazione entwickeln lässt, von konzentriert-fruchtig bis hin zu komplexeren, längeren Reserven.
Ein gemeinsamer Nenner: Sangiovese in vielen Ausprägungen
So unterschiedlich Chianti, Bolgheri und Montalcino klimatisch und geologisch sind, verbindet sie doch häufig eine Rebsorte: Sangiovese. Sie reagiert empfindlich auf Boden, Höhenlage und Sonneneinstrahlung und verändert dadurch von Region zu Region ihren Charakter – hier hell und würzig, dort dicht und kraftvoll. Auch einfache IGT-Weine ohne Anspruch auf eine der genannten Herkunftsbezeichnungen zeigen, was Sangiovese kann, wenn sie unverschnitten ausgebaut wird, wie es beim Sangiovese di Toscana IGT von Renzo Masi der Fall ist. Ebenso zeigt der Il Nero di Casanova IGT, biologisch erzeugt, wie sortenreiner Sangiovese außerhalb der klassischen Denominazionen einen eigenständigen, unkomplizierten Stil entwickeln kann.
Aus dem Sortiment
Die genannten Regionen lassen sich im Sortiment gut nachvollziehen: Der Chianti Rufina Basciano DOCG von Renzo Masi steht für den kühleren, strukturierteren Norden des Chianti-Gebiets, während der Chianti „Renzo M.“ DOCG in der Fiasco-Flasche den zugänglicheren, fruchtigeren Stil vertritt. Der Brunello di Montalcino von Tenuta Collosorbo zeigt die Konzentration, die das besondere Mikroklima von Montalcino ermöglicht. Der Poggio delle Faine Rosso IGT wiederum verbindet Sangiovese mit Cabernet Sauvignon und verweist damit auf die Idee, die auch in Bolgheri prägend wurde.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Chianti von Chianti Classico?
Chianti Classico bezeichnet den historischen Kernbereich zwischen Florenz und Siena mit strengeren Regeln, während Chianti als Anbaugebiet deutlich größer ist und mehrere Unterzonen wie Rufina oder Colli Senesi umfasst. Beide Weine bestehen überwiegend aus Sangiovese, unterscheiden sich aber in Ertrag, Mindestreifezeit und Prüfkriterien.
Warum gilt Bolgheri als Ausnahme in der Toskana?
Bolgheri liegt an der Küste und wurde erst in den 1970er-Jahren durch den Erfolg internationaler Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot bekannt, während die traditionelle Toskana auf Sangiovese setzt. Die Region zeigt, wie unterschiedlich toskanischer Wein je nach Lage ausfallen kann.
Was macht Montalcino für den Brunello so geeignet?
Montalcino liegt südlich von Siena auf einem isolierten Hügel mit trockenerem, wärmerem Klima als das übrige Chianti-Gebiet. Diese Bedingungen lassen Sangiovese, hier Sangiovese Grosso genannt, langsamer und konzentrierter reifen, was dichtere, langlebigere Weine ermöglicht.
Muss ein Brunello di Montalcino lange lagern, bevor er verkauft wird?
Ja, die Regeln der Denominazione schreiben eine mehrjährige Reifezeit vor dem Verkauf vor, davon ein Teil im Holzfass. Das erklärt, warum Brunello-Jahrgänge erst mit einigem zeitlichen Abstand zur Ernte in den Handel kommen.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


