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Montepulciano: die Rebsorte, die keine Stadt ist
Montepulciano ist eine Rebsorte aus Mittelitalien – nicht zu verwechseln mit der toskanischen Stadt gleichen Namens. Ein Blick auf die Herkunft der Verwechslung und den Charakter der Traube.
Wer zum ersten Mal eine Flasche Montepulciano d'Abruzzo im Regal sieht, denkt womöglich an einen Kurzurlaub in der Toskana. Der Name weckt Assoziationen mit der Stadt Montepulciano, die für ihren Vino Nobile bekannt ist. Tatsächlich handelt es sich aber um zwei völlig verschiedene Dinge: eine Stadt und eine Rebsorte, die zufällig denselben Namen tragen, aber geografisch und weinbaulich kaum etwas verbindet.
Verwechslungsgefahr mit Tradition
Die Stadt Montepulciano liegt in der Toskana und ist Namensgeberin für den Vino Nobile di Montepulciano, einen DOCG-Wein, der überwiegend aus der Rebsorte Sangiovese gekeltert wird. Die Rebsorte Montepulciano dagegen hat mit dieser Stadt nichts zu tun. Sie ist in Mittelitalien beheimatet, mit ihrem Zentrum in den Abruzzen, einer Region an der Adriaküste zwischen den Ausläufern des Apennin und dem Meer. Wie es zu dieser Namensgleichheit kam, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit klären, doch für die Praxis reicht es, sich zu merken: Steht auf dem Etikett „Montepulciano d'Abruzzo“, ist die Rebsorte gemeint. Steht dort „Vino Nobile di Montepulciano“, ist die Stadt der Ursprung, die Rebsorte aber Sangiovese.
Herkunft und Verbreitung
Montepulciano ist in den Abruzzen die dominierende rote Rebsorte und prägt dort den Montepulciano d'Abruzzo DOC, einen der meistproduzierten Rotweine Italiens. Die Rebe gedeiht auch in benachbarten Regionen wie den Marken, wo sie unter anderem im Conero-Anbaugebiet eine wichtige Rolle spielt. Vereinzelt wird sie zudem in anderen Teilen Italiens angebaut, etwa in Venetien, wenn auch dort nicht als traditionelle Sorte der Region, sondern als Ergänzung im Sortiment einzelner Betriebe. Insgesamt bleibt der Schwerpunkt klar in Mittelitalien, wo Boden und Klima der Rebe entgegenkommen.
Charakter im Glas
Montepulciano liefert meist dunkel gefärbte Weine mit einem Farbton, der ins Violette gehen kann. Aromatisch stehen dunkle Früchte im Vordergrund: Schwarzkirsche, Brombeere und Pflaume gehören zu den typischen Assoziationen. Häufig gesellen sich würzige Noten hinzu, etwa schwarzer Pfeffer oder mediterrane Kräuter, mitunter auch Anklänge von Leder oder Tabak bei Weinen, die im Holzfass reifen. Die Tannine sind in der Regel präsent, aber selten hart – sie geben dem Wein Struktur, ohne ihn unzugänglich zu machen. Die Säure ist meist moderat, was Montepulciano zu einem Wein macht, der schon relativ jung Freude bereitet, aber auch Potenzial für einige Jahre Reife mitbringt, wenn er entsprechend ausgebaut wurde.
Stilbandbreite: von einfach bis anspruchsvoll
Innerhalb der Rebsorte gibt es eine deutliche Stilbandbreite. Auf der einen Seite stehen unkomplizierte, fruchtbetonte Weine, die auf schnellen Genuss ausgelegt sind und meist im Stahltank oder nur kurz im Holz reifen. Auf der anderen Seite gibt es dichtere, konzentriertere Ausbauten mit längerer Mazeration und Holzreife, die mehr Tiefe und Lagerfähigkeit mitbringen. Dazwischen liegen Weine, die gezielt auf eine gewisse Fruchtsüße im Aroma setzen, ohne tatsächlich süß zu schmecken – ein Stilmittel, das bei Montepulciano gut funktioniert, weil die Sorte von Natur aus intensive, dunkle Fruchtaromatik mitbringt. Diese Bandbreite macht die Rebsorte interessant: Sie lässt sich sowohl als Alltagswein als auch als anspruchsvollerer Wein für besondere Anlässe interpretieren, je nachdem, wie im Keller mit ihr gearbeitet wird.
Aus dem Sortiment
Die NATIVAE Montepulciano d'Abruzzo DOP von Tenuta Ulisse zeigt die kräftige, dichte Seite der Sorte mit intensiver Frucht und würzigen Noten. Deutlich zugänglicher und leichter im Zugriff präsentiert sich der Montepulciano d'Abruzzo DOC von Terre al Piano, der mit weichen Tanninen und reifer Frucht einen unkomplizierten Alltagswein bildet. Wer die Verbindung zu den Marken sucht, findet sie in der Conero Riserva DOCG Sassi Neri von Le Terrazze, einem vielschichtigen Wein mit Noten von Leder und Tabak, der die reifere, komplexere Ausbaustufe der Rebsorte vertritt. Die ULISSE Montepulciano d'Abruzzo DOP wiederum zeigt sich saftig und weich, mit Anklängen von Karamell und dunkler Schokolade – ein Beispiel für die fruchtbetonte, zugängliche Spielart der Rebsorte.
Häufige Fragen
Ist Montepulciano dasselbe wie der Wein aus der Stadt Montepulciano?
Nein. Der Wein aus der toskanischen Stadt heißt Vino Nobile di Montepulciano und besteht überwiegend aus Sangiovese. Die Rebsorte Montepulciano dagegen stammt aus Mittelitalien, vor allem aus den Abruzzen, und hat mit der Stadt nur den Namen gemeinsam.
Woran erkennt man einen Montepulciano im Glas?
Typisch sind eine dunkle, oft violette Farbe, Aromen von Schwarzkirsche und Pflaume, moderate bis kräftige Tannine und meist eine spürbare, aber nicht dominante Säure. Der Alkoholgehalt liegt häufig im mittleren bis oberen Bereich.
Wo wird Montepulciano hauptsächlich angebaut?
Der Schwerpunkt liegt in den Abruzzen, wo Montepulciano d'Abruzzo als DOC-Wein produziert wird. Die Rebsorte findet sich aber auch in benachbarten Regionen wie den Marken und teilweise in Venetien.
Passt Montepulciano zu kräftigem Essen?
Ja, die Kombination aus Frucht, Tannin und Körper macht Montepulciano zu einem guten Begleiter für Schmorgerichte, gegrilltes Fleisch und würzige Pastasaucen mit Fleisch oder Wild.
Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.


