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Argentinien jenseits von Mendoza: Salta, Patagonien und Höhenweinbau

Argentinien ist mehr als Mendoza: Im äußersten Norden und im kühlen Süden entstehen Weine, die zeigen, wie sehr Höhe und Breitengrad den Charakter der Trauben formen.

Wer an argentinischen Wein denkt, hat meist Mendoza vor Augen: die Andenregion mit ihren endlosen Malbec-Weinbergen und dem Blick auf schneebedeckte Sechstausender. Doch das Land erstreckt sich über mehr als 3000 Kilometer von Nord nach Süd, und diese schiere Ausdehnung hat den Weinbau in ganz unterschiedliche Richtungen getrieben. Im Norden, in Salta, wachsen Reben in Höhen, die anderswo undenkbar wären. Im Süden, in Patagonien, sorgt nicht die Höhe, sondern die geografische Breite für kühles Klima. Beide Regionen erzählen, wie eng Lage und Stil in Argentinien miteinander verknüpft sind.

Salta: Weinbau am Rand des Machbaren

Die Provinz Salta liegt im äußersten Nordwesten Argentiniens, nahe der Grenze zu Bolivien und Chile. Geografisch befindet sich die Region deutlich näher am Äquator als Mendoza, was eigentlich für ein zu warmes Klima für Weinbau sprechen würde. Die Lösung liegt in der Höhe: Die Weinberge um Cafayate, das bekannteste Anbaugebiet Saltas, liegen auf Höhen, die zu den größten der Weinwelt zählen. In dieser dünnen Luft ist die Sonneneinstrahlung tagsüber intensiv, nachts kühlen die Temperaturen jedoch stark ab. Dieser Tag-Nacht-Kontrast bremst die Reifung und erlaubt es den Trauben, Säure und Aromen parallel zum Zuckergehalt aufzubauen.

Die Böden in Salta sind vielfach sandig bis lehmig und wenig fruchtbar, was den Reben wenig Wuchskraft, aber intensive mineralische Prägung mitgibt. Besonders die weiße Rebsorte Torrontés hat hier ihre Heimat gefunden. Sie gilt vielen als die eigenständigste weiße Rebsorte Argentiniens und liefert Weine mit auffällig blumigem, teils exotischem Aromenspektrum bei gleichzeitig belebender Säure, ein Ergebnis genau jenes Wechselspiels aus Höhe, Licht und kühlen Nächten.

Patagonien: Kühle aus dem Süden statt aus der Höhe

Ganz anders liegt der Fall in Patagonien, im Süden Argentiniens. Hier braucht es keine extreme Höhenlage, um kühles Klima zu erzeugen, die südliche Breite allein sorgt bereits für moderate Temperaturen. Zusätzlich prägen starke, trockene Winde aus den Anden die Region, die die Vegetation der Reben bremsen und die Trauben widerstandsfähiger machen. Die Wachstumsperiode ist entsprechend länger und ruhiger als im wärmeren Norden.

Diese klimatischen Bedingungen kommen vor allem Rebsorten zugute, die Frische und Eleganz statt reiner Kraft entwickeln sollen. Pinot Noir und Merlot gehören zu den Sorten, die in Patagonien zunehmend Beachtung finden, weil das kühle Klima ihnen erlaubt, ihre Aromen langsam auszubilden, ohne von zu viel Wärme überprägt zu werden. Damit unterscheidet sich der patagonische Weinstil deutlich von den kräftigeren, sonnenbetonten Weinen aus den zentralargentinischen Andenregionen.

Höhenweinbau als gemeinsames Prinzip

Was Salta und die klassischen Andenregionen wie Mendoza verbindet, ist das Prinzip des Höhenweinbaus, auch wenn die absoluten Höhenlagen stark variieren. Je näher eine Region am Äquator liegt, desto größer muss die Höhe ausfallen, um vergleichbare klimatische Bedingungen zu erzeugen. Mendoza selbst liegt bereits deutlich höher als viele europäische Weinbauregionen, doch Salta übertrifft dies noch einmal erheblich. Patagonien wiederum zeigt, dass sich das gleiche Ziel, nämlich kühle Nächte und eine lange, gleichmäßige Reifephase, auch auf ganz anderem Weg erreichen lässt: über die geografische Breite statt über die Meereshöhe.

Für die Rebsorte Malbec, die in praktisch allen argentinischen Anbaugebieten kultiviert wird, bedeutet dies eine bemerkenswerte stilistische Bandbreite. In wärmeren, tiefer gelegenen Lagen zeigt sich die Sorte oft kräftig und fruchtbetont, in kühleren Höhenlagen oder südlichen Regionen gewinnt sie an Straffheit und Frische. Malbec eignet sich damit als eine Art Lehrbeispiel dafür, wie stark Lage und Klima den Charakter ein und derselben Rebsorte verändern können, ganz unabhängig davon, ob die Kühle aus der Höhe oder aus der Breite kommt.

Böden als zweite Einflussgröße

Neben Klima und Höhe spielt die Bodenbeschaffenheit eine wichtige Rolle für den Charakter argentinischer Weine. In den Andenregionen dominieren häufig alluviale Böden, die durch abfließendes Schmelzwasser der Berge über lange Zeiträume abgelagert wurden, oft sandig, steinig und mit wechselnden Anteilen an Lehm. Solche Böden bieten den Reben wenig Nährstoffe, was in Kombination mit der Trockenheit vieler Anbaugebiete zu kontrolliertem Wuchs und konzentrierten Trauben führt. Argentinien zählt zu den Ländern, in denen Bewässerung traditionell notwendig ist, da natürlicher Regen in vielen Regionen kaum ausreicht. Die Wasserversorgung erfolgt daher vielfach über Schmelzwasser aus den Anden, was den Winzern eine gewisse Kontrolle über die Wasserzufuhr der Reben ermöglicht.

Aus dem Sortiment

Die Bandbreite argentinischer Weinlandschaften lässt sich im Sortiment gut nachvollziehen: Der Crios Torrontés von Susana Balbo Wines steht stellvertretend für die aromatische Weißweintradition, die in Höhenlagen wie Salta ihre Wurzeln hat. Aus dem kühlen Patagonien stammen der 45 Rugientes Pinot Noir und der 45 Rugientes Merlot von Bodega Otronia, beide Bio-Weine, die zeigen, wie südliche Breite ohne extreme Höhenlage zu Frische und Struktur führen kann. Der Benmarco Malbec von Susana Balbo Wines wiederum verdeutlicht, welchen Ausdruck die Nationaltraube in den zentralen Andenregionen annehmen kann, und ergänzt damit das Bild der stilistischen Vielfalt Argentiniens.

Häufige Fragen

Warum spielt die Höhenlage in Argentinien eine so große Rolle?

Argentinien liegt größtenteils in subtropischen bis gemäßigten Breiten, in denen Weinbau im Flachland zu heiß und wenig differenziert ausfallen würde. Erst die große Höhe der Anbaugebiete am Fuß der Anden bringt die kühlen Nächte, die für Frische und Aromenreife nötig sind. Je nach Breitengrad muss die Höhe unterschiedlich hoch ausfallen, um dieses Gleichgewicht herzustellen.

Was unterscheidet Salta von Mendoza?

Salta liegt deutlich nördlicher und damit näher am Äquator, weshalb die Weinberge dort in noch größerer Höhe liegen müssen als in Mendoza. Die Böden sind oft sandig-lehmig und die Sonneneinstrahlung durch die Höhe sehr intensiv, was kräftige, aromatische Weißweine wie Torrontés begünstigt.

Was macht Patagonien für Rotweine wie Pinot Noir und Merlot interessant?

Patagonien liegt weit im Süden, wodurch das Klima insgesamt kühler ausfällt und weniger auf Höhenlage angewiesen ist. Die tiefen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sowie die Winde aus den Anden sorgen für eine langsame Reifung, die Frische und Struktur in den Weinen erhält.

Ist Malbec nur eine Mendoza-Rebsorte?

Nein, Malbec wird in nahezu allen argentinischen Anbauregionen kultiviert, von Salta bis Patagonien. Je nach Höhe, Klima und Boden verändert sich jedoch der Charakter der Traube deutlich, von kräftig-würzig bis hin zu kühleren, strafferen Ausprägungen.

Ein Beitrag aus dem Weinkeller von Vinothekar.de. Fragen zu einem Wein? Wir beraten Sie gern persönlich.

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